Über das Coaching von morgen

„Baustelle Zukunft“ (Bild von Gerd Altmann auf Pixabay)

Was ist gute Führung in der Zukunft und welchen Beitrag kann Coaching leisten? Wie verändert sich das traditionelle Verständnis von Coaching zukünftig? Wie kann Coaching auch zukünftig Leadership wahrhaft unterstützen?

Mit solchen, und vielen weiteren, Fragen beschäftigt sich Stefan Stenzel. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Senior Expert Consultant Global Management Development bei SAP sowie einem fundierten Fachwissen stellt er Handlungsmöglichkeiten für Führungskräfte und Coaches vor, um die Herausforderungen von morgen zu meistern.

Ein Experte – Drei Möglichkeiten, ihn zu lesen und zu erleben

Stefan Stenzels Expertise, entstanden aus praktischer Erfahrung und theoretischer Fundierung, können Interessierte schon bald auf drei verschiedenen Wegen zu Rate ziehen:

Noch dieses Jahr erscheint sein Buch, Die Zukunft des Coaching-Business – Neuausrichtung an der Lebens- und Arbeitswelt des Klienten von morgen. Laut Autor dient dieser Band als ein „erster Aufschlag, als ein Diskussionsangebot zur aktiven Ko-Kreation der Zukunft von Coaching“.

Auch wird Stefan Stenzel die Themen seines Buches bei der exklusiven Vortragsreihe zum Thema „Führung & Coaching – zum Wachstum inspirieren“ vortragen. Das interaktive Format mit anschließender Podiumsdiskussion lädt zur intensiven Auseinandersetzung und zum belebten Austausch ein.

Zudem hat Prof. Dr. Zimmermann ein Interview mit Stefan Stenzel geführt, welches in voller Länge in ihrem Herausgeberband zum Themenfeld der interdisziplinäre Coaching-Ausbildung erscheinen wird. Für diesen Band, der im Frühjahr 2023 beim Carl-Auer-Verlag erscheinen wird, arbeitet Frau Zimmermann mit Lehr-Therapeut*innen, Lehr-Coaches, Forschern, Lehrenden, Coaches und Führungskräften zusammen, die im Bereich Coaching wirklich etwas zu sagen und an „den Nachwuchs“ weiterzugeben haben, darunter auch Stefan Stenzel.

Auszug aus dem Interview

Die Arbeitswelt, sowohl von Führungskräften als auch Mitarbeitern, wandelt sich rapide. Eine Vielzahl von Phänomenen, etwa die Digitalisierung, Entgrenzung von Lebens- und Arbeitswelt (etwa durch das Homeoffice), zunehmende Diversität, Abgang der Babyboomergeneration usw., trägt dazu bei. Stefan Stenzel betont:

“Mit dieser veränderten Lebens- und Arbeitswelt der Coachees werden sich Coaches auseinandersetzen müssen.”

Er nennt die vielen Bereiche, die dieser Wandel betrifft, sowie die Wissensbestände, Ansätze und Haltungen, die Coaches verinnerlichen müssen, um souverän mit Veränderungen und neuen Herausforderungen umgehen zu können.

Frage: Was ist gute Führung in der Zukunft und welchen Beitrag kann Coaching leisten?

Bemerkenswerterweise beantwortet Stefan Stenzel diese Frage damit, dass es auch in Zukunft keine neuen Führungskonzepte braucht. Stattdessen rückt er schon bekannte Konzepte wieder in den Fokus. Als notwendigen Schritt für die gute Führung von morgen betont er die Integration all dieser etablierten Konzepte:

„Die großen Herausforderungen der Unternehmen machen es jedoch notwendig, viele der altbekannten Konzepte situativ bzw. parallel und synergetisch – Stichwort „Yin und Yang“ – zu leben.”

Als Beispiele von wieder zu belebenden Führungskonzepten nennt Stefan Stenzel unter anderem:

  • Ambidextrisches Leadership, das sowohl dem Effizienz- als auch dem Effektivitätsgedanken gerecht wird.
  • Shared Leadership“, welches den komplexen Anforderungen der Arbeitswelt gemeinschaftliche Führung mit flexibler und situativer Beteiligung von Individuen gegenüberstellt.
  • Purpose-driven Leadership“, dasKomplexität durch Fokus auf eine sinnstiftende Primärmotivation reduziert.

Coaching kann dabei helfen, all diese Konzepte zu vergegenwärtigen und situationsgemäß zu integrieren und zu realisieren. Bezüglich des Shared Leadership erklärt Stefan Stenzel:

„Coaching kann in diesem Fall dabei unterstützen, dass unaufhaltsam nahende Ende der früheren „One-Man-Shows“ in der Führung, des traditionell eher heroischen Verständnisses von Führung durch ein neues Selbst- und Rollenverständnis zu ersetzen. Ferner kann Coaching für diesen Paradigmenwechsel in der Führung dazu notwendige Rollenflexibilität bzgl. Followership und Leadership ausloten und stärken.”

Frage: Wie verändert sich das traditionelle Verständnis von Coaching zukünftig?

In seiner Antwort nennt Stefan Stenzel u.a. vier Aspekte, die das Coachingverständnis von morgen erweitern:

  1. Digitalisierung, welche sowohl Online-Coaching als auch neue Interaktions- und Feedbackmöglichkeiten durch digitale Platformen und Wearables inkludiert.
  2. Integration bzw. die Zusammenführung von Gegensätzen, da es in einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt nicht einfache Antworten, sondern tiefgreifende und nachhaltige Lösungen braucht.
  3. Vernetzung für die schnelle, projektbezogene Zusammenführung und Vernetzung verschiedener Lernformate und Themenspezialist*innen.
  4. Aktive Kontextualisierung, im Sinne von stärkerer Einmischung von Coaches in gesellschaftliche, in sozial-politische oder kulturellen Bereiche.

Digitalisierung, in den letzten Jahren natürlich ein besonders präsentes Thema für Unternehmen und so auch für Coaches, bespricht Stefan Stenzel ausführlich. Er weist darauf hin, dass Coaches sich diese nicht nur für ihre eigene Praxis zu nutzen machen können, und in Zukunft wohl müssen, sondern dass sie auch die Konsequenzen und Möglichkeiten, die Digitalisierung für Führungskräfte bringen, kennen sollten.

Dies kann sich auf den Umgang mit IT-gemanagte Mitarbeiterführung beziehen als auch auf die Herausforderungen, die eine zunehmend entlokalisierte Arbeitswelt mit sich bringt:

“Ansatzpunkte für Coaching ergeben sich hier im klassischen Individualcoaching mit der Führungskraft oder den Mitarbeitern – aber auch im Team-Coaching. Themen auf beiden Ebenen können hier die Herstellung von Nähe und Vertrauen bzw. Teamgeist über geografische und/oder kulturelle Distanz sein. Ein anderes Thema wären die vielfältigen Herausforderungen der damit oft einhergehenden Arbeit im Homeoffice oder insgesamt des Themenkreises „New Work“.”

Am Ende des Interviews betont Stefan Stenzel noch einmal sein Coaching-Verständnis. Obwohl sich Kontext und Inhalte der Arbeit als Coach stark verändert haben, blieb dieses grundsätzlich gleich. Für ihn bedeutet Coaching…

„Letztlich von Altbewährtem loszulassen und neue Wege (im Business) zu erkennen, zu denken und auch zu gehen! „Um die Ecke denken“, zu neuen Perspektiven und Einsichten zu ermutigen bzw. systematische Umsetzungshilfe leisten. Und wenn man sich ganz „hip“ geben will, müssen diese neuen Ziele dann in agiler Weise erreicht werden.”

Zusammenfassung des Interview-Kapitels

Verortet man die Anfänge des Business-Coaching in Deutschland Anfang der 80iger des letzten Jahrtausends, hat sich seitdem im Business viel getan – im Coaching bzw. bei den „Veränderungsbegleitern“ selbst hat sich grundlegend in diese 40 Jahren jedoch nichts verändert. Warum auch, wenn die Wachstumszahlen der ICF-Studien seit Jahren suggerieren, dass das Produkt zeitgemäß und für das Klientel immer noch attraktiv ist?

Arbeitet dieses Business-Klientel im (Top) Management, wird die dabei befragte Alterskohorte (zwischen 40-55) jedoch ab 2035 die Unternehmen schrittweise verlassen. Nachrücken wird eine Generation Y, und Z, die es als „Digital Natives“ gewöhnt sind ihr Leben (mit dem Smartphone in Griffweite) digital organisieren und deren Aufmerksamkeitsspannen eher kürzer als länger erscheinen. Infolge von COVID-19 arbeitet diese Wissensarbeiter zudem eher lieber vom Homeoffice, Co-Working Spaces oder klischeemäßig im Café nebenan.

Diese hybriden Arbeitsformen haben Konsequenzen sowohl auf die Führung ihrer über Deutschland oder die Welt verteilten Mitarbeiter und ihrer eigenen Person. Konnten bis vor 3-4 Jahren die meisten Coaches mit dem Begriff „Plattform“ nichts anfangen, wird insbesondere den neu auf den Markt kommenden Coaches immer bewusster, dass der Vertrieb ihrer Services nicht mehr (ausschließlich) über die mit viel Herzblut gestaltete, eigenen Homepage laufen wird, sondern das Business hart gewinnorientierter Plattformbetreiber werden wird.

Diese und viele andere Beobachtungen sind der Hintergrund und Thema für das Interview von Monika Zimmermann mit Stefan Stenzel (Führungskräfteentwickler und Coaching-Verantwortlicher bei der SAP SE) zu dem Thema „Das Coaching-Business zur Weiterentwicklung und Veränderung inspirieren. Neuausrichtung und der Lebens- und Arbeitswelt des Klienten von morgen“.

Herzlichen Dank lieber Stefan für das interessante Interview und die vielen Denkanstöße, die du uns gegeben hast.

Stefan Stenzel finden Sie auf LinkedIn und Xing.


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