Über Coaching-Konzepte, Kommunikation, Gefühle, Arbeiten mit (inneren) Teams und weitreichende Erkenntnisse – Modul 3 unserer Coaching-Ausbildung

Graphic Recording von Carolin Ullmann

Am vergangenen Wochenende fand das 3. Modul unserer Coaching-Ausbildung in Heidelberg statt.

In diesen drei Tagen erhielten die Teilnehmenden viel theoretischen Input, von Co-Ausbilder Dr. Josef Geider zum personzentrierten Ansatz (PZA) und von Ausbildungsleitung Prof. Dr. Monika Zimmermann zu Grundlagen von Kommunikation, Team-Coaching und dem Coaching-Prozess. Zwischendurch gab es wie immer Übungen, Raum für Fragen und Diskussion sowie für Reflexion allein und in der Gruppe. So war das Wochenende zwar teilweise anstrengend, führte aber auch zu „erarbeiteten“ Aha-Momenten, anregenden Diskussionsrunden und hat sowohl neue Entwicklungsprozesse der angehenden Coaches in Gang gesetzt als auch alte intrinsisch verankert.

Freitag:

  • Vorstellen der eigenen Coaching-Konzepte der Teilnehmenden (Leitbild, Selbstverständnis als Coach etc.), verstanden als Zwischenstand in der Coach-Werdung
  • Über Stress und Entspannung
Dem Stress entkommen: Josef Geider veranschaulicht Strategien der Stressbewältigung

Samstag:

  • Rückfragen zum PZA
  • Hilfreiche Gesprächsführung nach PZA, inkl. Übung Empathy Labs
Teilnehmerinnen üben hilfreiche Gesprächsführung im Empathy Lab
  • Diskussion zur Unterscheidung von PZA, systemischen Ansatz und anderen Beratungs-/Therapieansätze
  • Gruppen-Coaching: die Rolle als facilitator, Entwicklungsstadien der Gruppe

Sonntag:

  • Input zu Kommunikation im Coaching, inkl. Kommunikationsmodelle
  • Übung zu Kommunikation und Feedback
Die Teilnehmenden geben sich gegenseitig „quadratisches“ Feedback
  • Innere und äußere Teams (mit Aufstellen)
  • Erster Input zum Coaching-Prozess und praktische Anliegen des Coachings (Vertrag, Honorare)

Die Teilnehmenden stellen ihre aktuellen Coach-Konzepte vor

Das Wochenende begann damit, dass die angehenden Coaches ihr momentanes Selbstverständnis als Coach und das Leitbild für ihr Coaching vorstellten. Obwohl es für viele nur der erste Anlauf zum Formulieren des eigenen Coach-Konzepts war, stellten sie unglaublich stimmige und authentische Konzepte vor.

Dabei kamen deutlich die individuellen Persönlichkeiten und Werte der Teilnehmenden sowie ihre unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkte als Coaches zum Vorschein. Diese spiegelten sich oft schon in den Leitsätzen, Bildern und Zitaten vor, die Teil ihrer Präsentationen waren:

„Mein Ziel ist es, Führungskräfte so zu unterstützen und zu begleiten, dass sie den Titel wirklich verdient haben,“ sagte eine Teilnehmerin, die gerne in ihrem beruflichen Umfeld als Coach einen positiven Beitrag leisten möchte.

Toll fanden alle auch die Metapher einer Teilnehmerin, die das individuelle Leben und die Persönlichkeit als eine Reise mit dem Rucksack verglichen hat. Dieser Rucksack füllt sich im Laufe der Reise mit Erfahrungen, Ressourcen, Denk- und Handlungsweisen etc. Im Coaching wird darüber reflektiert, was in diesem Rucksack ist und gemeinsam umsortiert. Und das sowohl aus der Perspektive des Coachee als auch aus jener des Coaches (Transparenz als tragendes Prinzip, der Coach als „gläsernes Vorbild“).

Ein weiterer Teilnehmer bekennt sich zu seinem riesigen Vertrauen in die Fähigkeiten und unerschöpflichen Möglichkeiten jeder Person, indem er sein Menschenbild mit einem Zitat von Holmes Wende ausdrückt: „Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, sind Winzigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt.

So unterschiedlich diese Konzepte auch sind, unser Co-Ausbilder Josef Geider merkte an, dass ihnen dennoch allen die Personenzentrierung gemein sei. Alle Teilnehmenden stehen ihren (zukünftigen) Coachees wohlwollend und neugierig gegenüber, genau dem WEK-Ruf (Wertschätzung, Empathie und Kongruenz) entsprechend.

Empathie, Kommunikation und Teams

An den folgenden zwei Tagen gab es von den beiden Dozierenden viel Input zu Kommunikation und Gesprächsführung im Coaching. Josef Geider vermittelte dabei den personenzentrierten Ansatz, in welchem unter anderem Empathie, Ergebnisoffenheit und die Bereitschaft, eigene Hypothesen zu verwerfen, wichtig sind.

In der Übung Empathy Labs konnten die Teilnehmenden das sofort umsetzen, üben und im Anschluss reflektieren. Eine Teilnehmerin formulierte etwa diese Erkenntnis aus der Übung:

„Als Zuhörer muss man sich bewusst darüber sein, welche (auch non-verbalen) Rückmeldungen der Sprecher wahrnimmt und welche nicht.“

Monika Zimmermann stellte verschiedene Modelle aus der Kommunikationswissenschaft vor, unter anderem das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun, und erläuterte deren Bedeutsamkeit im Coaching. Sie wies darauf, wie hilfreich es sein kann, auch im Gespräch mit Klient*innen immer wieder auf die Meta-Ebene zu gehen und zu explizieren, welche „Seite“ des Quadrats gerade angesprochen und/oder gehört wird.

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Im Zusammenhang mit Kommunikation sprachen beide Dozierende auch über Gefühle. Gefühle sind nicht zu verwechseln mit Gedanken oder gar Bewertungen und können nur im Hier und Jetzt gespürt werden, umso wichtiger ist es sich ihrer immer mal wieder bewusst zu werden auch im Coaching-Gespräch, etwa indem die Coachees immer wieder angeregt werden, sich auf dem sogenannten Gefühlskompass aktuell zu verorten:

Der Gefühlskompass dient der Verortung der momentanen Gefühlslage

Ein besonders interessanter Moment für die Teilnehmenden war die Diskussion zwischen beiden Dozierenden darüber, was die Quintessenz des PZA ist und wie er sich von anderen Beratungsformen und -ansätzen, etwa dem systemischen oder dem psychoanalytischen, unterscheidet. Kommunikation und Gesprächsführung waren hierbei eines der Wesensmerkmale, auf die bei der Differenzierung eingegangen wurde. So fassten die Dozierenden zusammen:

„Das Wesen des PZA konzentriert sich auf ein Menschenbild und eine Haltung des Coaches; welche sich v.a. durch spezifisches kommunikatives Handeln ausdrückt.“

„Das Bewusstsein für Sprache ist sehr wichtig im PZA, denn das Wort kann unglaublich viel transportieren. Man muss sich der Macht des Wortes stets bewusst sein.“

Der zweite großer Themenblock des Wochenendes war Coaching in Gruppen und Teams. Auch hier gingen beide Dozierende auf verschiedene Aspekte der Thematik ein:

Josef Geider erläuterte das Wirken eines facilitators in der Arbeit mit einer Gruppe und beschrieb die verschiedenen Phasen, welche die Gruppe dabei durchläuft.

Monika Zimmermann verband das Coachen von Teams mit dem Konzept des inneren Teams, einem Persönlichkeitskonzept von Schulz von Thun. Erkenntnisse über das eigene innere Team, also den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen des Selbst, lassen sich auf die Arbeit mit „äußeren“ Teams übertragen und umgekehrt. Um diese Parallelen zu verdeutlichen, machten sich Teilnehmenden Gedanken zu ihren eigenen inneren Teams, mit Hilfe von Figuren konnten sie die verschiedenen Teammitglieder vor sich aufstellen, und unterstützt durch erkundende Fragen von Monika Zimmermann überlegten sie, wie ihr Team wirkungsvoll gemanaged werden könnte und wen sie ggf. neu „einstellen“ wollen.

Das innere Team (Schulz von Thun Institut für Kommunikation)

Die folgenden Rückmeldungen der Teilnehmenden geben eine Idee davon, wie viele Impulse, Gedankengänge und Aha-Momente an diesem Wochenende angeregt wurden:

Eine Auswahl der Erkenntnisse unserer Teilnehmenden aus Modul 3 im O-Ton:

„Für mich ist die Unterscheidung der verschiedenen Schulen und deren Abgrenzung gegeneinander sehr viel klarer geworden. Bei aller Differenz vereint die Schulen immer die Fähigkeit der Kommunikation. Und Kommunikation meint sehr viel: nicht nur reden, sondern sich ausdrücken, sich der gewählten Worte bewusst zu sein, sie präzise einzusetzen, dabei nicht zu weit vorzupreschen und nicht zu schüchtern hinter‘m Berg zu halten… Und Zuhören ist so viel mehr als nur lauschen: es ist körperliches Signal der Aufmerksamkeit, Empathie, paraphrasieren, ohne zu interpretieren, echtes Verstehen des Gehörten und sich bewusst sein, welcher Mund gerade spricht und welches Ohr gerade hört (Anatomie einer Nachricht, F. Schulz von Thun).“

„Spannend, wie sich Charakteristika von „äußeren“ Teams auf das innere Team übertragen lassen. Ich persönlich konnte durch das Reflektieren über mein inneres Team einige innere Diskurse und Dilemmata nun plötzlich verstehen und verbalisieren. Ich habe richtig Lust bekommen, mein inneres Team weiter kennen zu lernen und wie eine gute Führungskraft zu entwickeln. Möglicherweise werde ich das ein oder andere Teammitglied noch einstellen, um eine ausgewogene Teamdynamik zu erzielen. Und so manches Teammitglied, das bisher die Oberhand hatte und ziemlich ausgelastet ist, darf vermutlich häufiger mal Pause machen.“

„Für mich war es sehr spannend die Konsequenzen zu durchdenken, die es hat, dass Emotionen nur in der Gegenwart stattfinden können. So wurde in den Phasen einer Gruppe bspw. deutlich, dass erst nachdem die Gruppe zueinander gefunden hat (eine Beziehung aufgebaut wurde, Vertrauen gefasst hat) Gespräche über Emotionen in der Gegenwart stattfinden. Dies verdeutlicht für mich nochmals die Relevanz der Beziehung zwischen Coach/Facilitator und Klient:in/Gruppe.“

„Einige Aha-Momente waren für mich:
Die Gegenüberstellung des systemischen Ansatzes mit dem PZA.
Das Auseinandersetzten mit dem “inneren Team”, vor allem die Rollen der “einzelnen Teammitglieder” im inneren Team. Und wie wichtig es ist, in der Ausbildung ein Feedback von einem neutralen Beobachter zu bekommen, zum Thema Wahrnehmung (Selbstwahrnehmung). Was nehme ich wahr, was nimmt ein Beobachter wahr.“

In nur wenigen Wochen treffen sich Teilnehmende und Dozierende wieder zur nächsten Supervisionseinheit. Wir sind gespannt darauf zu hören, was unsere angehenden Coaches dann aus ihrer Praxiserfahrung mit den neu erlernten Ansätzen und den daraus abgeleiteten Methoden berichten.


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