Zwischen Zauberwürfel, Matrjoschka und Grauburgunder

Zwischen Zauberwürfel, Matrjoschka und Grauburgunder

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

(Auszug aus: Hermann Hesse (1941). Stufen)

Mit diesen Worten Hermann Hesses begrüßen wir manchmal die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Coaching-Ausbildung. Denn die Verse aus dem Gedicht “Stufen” sehen wir sinnbildlich für das, was in den 12 Monaten unserer gemeinsamen Lernreise entstehen darf und wofür wir stehen: “Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Eine dieser wunderbaren Lernreisen dürfen wir hier in die Welt tragen. Bianca Kachold hat im Oktober 2025 die interdisziplinäre Coaching-Ausbildung bei uns erfolgreich abgeschlossen. Sehr viel bedeutsamer als das damit erlangte Zertifikat schätzen wir das, was sie uns mit den folgenden Zeilen mitteilt. Wir geben Biancas Worte ungekürzt und unverändert wider.

Zwischen Zauberwürfel, Matrjoschka und Grauburgunder

Autorin: Bianca Kachold
Meine Reise begann mit zwei Bildern: Einem Zauberwürfel und einer Matrjoschka
Zauberwürfel und Matrjoschka
Zauberwürfel und Matrjoschka

Der Zauberwürfel, der stand für mich für einen Zustand, den ich für mich als unvollständig und unlösbar definiert hatte. Die Matrjoschka symbolisierte wohin ich will. Ich wollte in die Tiefe blicken, das Innere einer Person erkennen. Ich nahm sie auseinander und visualisierte, was in ihr steckt, was auf den ersten Blick aber unerkannt bleibt. Das Individuelle, das in jedem Menschen steckt. So stellte ich es mir vor – vielschichtig.

Ich wollte nicht nur deren Potenzial erkennen, sondern dieses auch fördern, damit Menschen sich weiterentwickeln können. Einerseits wollte ich diese Fähigkeit behalten und ausbauen, das Innere meiner Mitarbeitenden zu erkennen.

In komplexen Situationen noch besser die richtigen Antworten zu finden.

So war mein Ziel noch am Anfang meiner Ausbildung zur interdisziplinären Coachin bei Prof. Dr. Monika Zimmermann im Zentrum für interdisziplinäres Coaching in Heidelberg. Was hat sich seitdem entwickelt?

An dieses „Endziel“, das ich damals hatte, habe ich im Laufe der Ausbildung gar nicht mehr so gedacht. Wenn ich zurückblicke, fallen mir Balanciersteine ein, die auch in ergotherapeutischen Settings verwendet werden. Das Erreichen eines Zieles war vielmehr ein Balancieren von Flussstein zu Flussstein, die in unterschiedlicher Form und Farbe und mit verschiedenen Abständen nacheinander auf dem Boden liegen. Ich blickte also von Steinchen zu Steinchen um dann ein Ziel zu erreichen, das sich aus jetziger Sicht eher als Vision darstellt.
Das ist vielleicht auch dadurch passiert, dass auf mich eine riesige Welle an neuem Wissen oder neuen Anforderungen zukam.

Wie regle ich meinen Vollzeitjob als Führungskraft und eine sehr anspruchsvolle Coachingausbildung mit den Ansprüchen, die ich an mich selbst habe? In dieser Zeit habe ich viel über mich gelernt, auch, dass nicht immer alles so funktioniert wie geplant. Dass ich dann aber weitermache. Es funktioniert dann etwas anderes oder ich gelange über einen Umweg zum nächsten Flusssteinchen. Ich lernte, dass es mir guttut, mich auch mal treiben zu lassen, zu atmen und zu schauen, was sich entwickelt. Wie interessant Umwege sein können. Wie sehr es mich entlastet im Hier und Jetzt zu bleiben.

Und dann bietet mir wieder jemand etwas an und ich nehme mir da was raus, was ich brauche, was in dieser Situation, in der ich mich gerade befinde, für mich als hilfreich scheint. Mit dieser Haltung sozusagen bin ich dann schon diesem Ziel sehr, sehr nahegekommen.

Bianca (links) im August 2025
Bianca (links) im August 2025

Dieses Ziel, was ich da formuliert habe, würde ich jetzt nicht mehr als Ziel, sondern als meine Vision sehen, weil ich das noch immer habe und es das ist, was mich antreibt. Ich habe gelernt, anders auf Ziele zuzugehen.
Eine Idee zu haben, ist gut und wenn die Idee gut ist, kommt sie wieder und dann bewege ich mich darauf zu. Das passiert manchmal bewusst, aber ganz oft auch unbewusst. Und es ist immer ein Innen und ein Außen nötig. Das ist mir bewusst geworden. Es ist immer ein Zusammenspiel zwischen Innen und Außen.

Kann man die Erreichung der Vision skalieren?

Ich habe vorher nicht gedacht, dass ich ein so großes Ziel erreiche, das sich dann als meine Vision „outet“. Ich kann es auch nicht skalieren. Ich habe verschiedene Skalen. Vor der Coaching–Ausbildung ging meine Skala von 1 bis 10 und nun geht sie bis 15. Ich fühle mich so, dass ich nun bei 15 stehe (und das ist wahrscheinlich noch nicht das Endziel oder die vollständige Vision). Wenn ich die Skala als Metapher nehme, dann bin ich über mich hinausgewachsen. Daher musste ich meine „Anfangsskala“ nachjustieren.

Ich habe meine Haltung verändert und es ist für mich nicht so einfach, innerhalb eines Jahres meine Haltung zu verändern. Ich erinnere mich nicht nur an die Veränderung. Ich spüre sie. Jeden Tag in mindestens einer Situation. Die Erinnerung an meine alte Haltung verblasst ein wenig.

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Ich begegne Situationen, denen ich auch vor einem Jahr begegnet bin und ich habe einen ruhigeren Atem. Ich weiß genau, es wird gelingen. Ich weiß genau, wenn das nicht gelingt, gelingt was anderes. Und ich sehe die aufgeregten Menschen drumherum und ich denke, dass es eine Lösung geben wird. Ich spüre kaum noch körperliche Reaktionen, wie einen veränderten und erhöhten Herzschlag. Das passiert einfach nicht mehr, weil ich weiß, dass ich mir vertrauen kann. Es ist ein entscheidendes Ergebnis dieser Coaching-Ausbildung, dass ich gelernt habe, dass ich mir vertrauen kann und dass ich auch einfach ein ganz anderes Selbstbild erlangt habe in diesem Jahr.

Weil ich mich intensiv mit mir beschäftigt habe, und das ist glaube ich das A und O. Es ist nicht so entscheidend, wie sehr man sich mit den anderen beschäftigt. Es ist entscheidender, wie sehr ich mich mit mir beschäftige. Und wenn ich mich kenne und meine Macken kenne und weiß, was ich kann und demzufolge auch weiß, was ich nicht kann. Je besser ich darüber Bescheid weiß, desto mehr kann ich zu dieser Vision kommen, für Menschen etwas zu sein, ihnen etwas mitzugeben, sie zu begleiten.

Eine meiner (beruflichen) Aufgaben ist es, komplexe und „schwierige Probleme“ (ich habe dies zum Anfang der Ausbildung so formuliert) zu lösen. Das würde ich heute schon gar nicht mehr so formulieren. Die Aufgabe ist zwar immer noch meine Aufgabe, aber ich habe keine „Probleme zu lösen“ Es sind komplexe Sachverhalte, die ich kläre. Diese Formulierung wirkt auf mich befreiend und gibt auch Kraft. Sie orientiert sich an etwas, das machbar ist.

So ähnlich ist es auch mit dem Zauberwürfel, der hier für den komplexen Sachverhalt steht.
Es gibt unzählige Möglichkeiten und es sind unzählige kleine Bausteine daran beteiligt, dass ich die Situation jetzt so wahrnehme, wie ich sie wahrnehme. Also, dass die bunten kleinen Würfelchen so aneinander sind, wie sie sind. Wenn ich mich daran erinnere, dass ich der Annahme war, dass mir die Fähigkeit fehlt, diese ungeordneten Zustände (komplexe Probleme) wieder allein ins Lot zu bringen und dies auch so verbalisiert hatte, muss ich ein bisschen über mich selbst schmunzeln, weil das gar nicht stimmt. Mir fehlte nicht die Fähigkeit, ungeordnete Zustände ins Lot zu bringen, weil ich das gar nicht muss. Mir fehlte die Fähigkeit, das Wissen darüber zu haben, dass ich diese ungeordneten Zustände gar nicht ins Lot bringen muss und das ist für mich die Lösung für all diese „Probleme“.

Bianca (links) im November 2024
Bianca (links) im November 2024

Die beschriebene Veränderung in meinem Denken beeinflusst mich positiv und das beeinflusst die Person mir gegenüber ebenfalls positiv, sodass mir die „Bearbeitung der komplexen Sachverhalte“ erfolgreicher und ressourcenschonender gelingt als noch vor einem Jahr.

Es war eigentlich eine Reise eher zu sich selbst – zu mir selbst. Es war auch eine Weiterentwicklung meiner fachlichen Kompetenzen und ich konnte einen Wissenszuwachs verzeichnen. Die Ausbildung war didaktisch einfach sehr gut aufbereitet. Das Angebot an „Wissenschaft“ in Buffetform und die Freiheit sich die Besten, für sich selbst passendsten Leckereien rauszupicken, habe ich als unwahrscheinlich wertvoll wahrgenommen.

Wenn ich rückblickend auf die Zeit schaue, wie es im Oktober 2024 war und wie es jetzt ist, dann muss ich an meinen alten Schaukelstuhl denken, der hier im Esszimmer steht. Auf die Frage: Was willst Du denn Mal werden?“ kann ich antworten: „Irgendwann möchte ich mal in diesem alten Holzschaukelstuhl sitzen, jemand sitzt mir gegenüber und hat eine Frage und ich zucke nur mit der Augenbraue. Diese Person geht wieder und hat seine oder ihre Antwort. Das will ich mal machen. Ich sitze nun schon in diesem Stuhl. Ich stehe nicht mehr nur davor. Es zuckt zwar noch nicht die Augenbraue, aber ich bin schon an der richtigen Stelle. Aber ich bin in Bewegung – in einer, die mir guttut und das merkt auch mein Umfeld.

Die mir eng vertrauten Menschen haben mich ja auch während des Jahres Coaching-Ausbildung bei Dr. Monika Zimmermann begleitet. Sie haben meine Veränderung und Weiterentwicklung wahrgenommen, sie haben mitgefiebert, mir den Rücken freigehalten und waren geduldig und haben zum Ende der Ausbildung meine Freude mit mir geteilt. Es gab herzliche Glückwünsche, Umarmungen, kleine Geschenke und auch klassisch den Umschlag von meinen Großeltern, was mich besonders bewegt hat. Es war einfach besonders und besonders waren auch die vielen persönlichen und liebevollen Worte und die Unterstützung meiner Arbeitgeberin. Das erfüllt mich auch mit Stolz und ich bin auch stolz, dass ich diese Coachingausbildung nicht nur erfolgreich abgeschlossen, sondern auch meine Weiterentwicklung bewusst wahrgenommen habe. Ein Job als Führungskraft in Vollzeit und eine wissenschaftlich fundierte und didaktisch sehr gut aufgearbeitete Coachingausbildung parallel über den Zeitraum von 12 Monaten, das war nicht immer leicht.

Es kostet Mut und Kraft und bedarf auch etwas Durchhaltevermögen, aber es macht Spaß und Das Erfahren der Veränderung und Weiterentwicklung der eigenen Person sind einfach überwältigend.

Was war besonders positiv an der Ausbildung?

Die erst so ein bisschen fremdgesteuerte und dann eigengesteuerte Reise zu mir selber. Also, ich fühle mich auch total gut und ich habe jetzt die Zeit genutzt, um zu feiern und Leute zu treffen. Dafür habe ich erstmal alles zur Seite gelegt. Es war das, was mir gefehlt hat, die Zeit mit Freunden zu verbringen.

Die Teilnehmer:innen der Coaching-Ausbildung (CA 5)
Die Teilnehmer:innen der
Coaching-Ausbildung (CA 5)
Bianca und Moni (Oktober 2025)
Bianca und Moni (Oktober 2025)

Es ist nun Zeit auch Dir, liebe Moni, zu danken: für Deine Mühe und für das Engagement Deines Teams vom Zentrum für interdisziplinäres Coaching. Mit dem Angebot der Coachingausbildung tragt ihr dazu bei, dass die Gesellschaft ein klein bisschen mehr Menschlichkeit hat und das finde ich so wichtig. Wir begegnen oft auch Missgunst, Neid, Gewalt und Hass, aber ich denke, es braucht mehr Menschen, wie wir sie sind. Menschen, die andere, als die aufgeführten „Werte“ vermitteln und leben.

Wir brauchen mehr Menschlichkeit, Liebe, Empathie und mehr Neugier auf die Menschen um uns herum und das, was in ihnen steckt.

Die Coachingausbildung zu machen, war eine Reise:

aus Niedersachsen nach Heidelberg, zum Lernen, zu mir selbst und wieder zurück nach Niedersachen (mit vielen neuen Ideen) im Gepäck, Erinnerungen an wertvolle Begegnungen, tolle und inspirierende Menschen, Freude, Freiheit, Dazugehörigkeit.

… und das eine oder andere Glas Grauburgunder in bester Gesellschaft nach einem Tag gemeinsam lernen.

Herzlichen Dank, liebe Bianca, für die gewährten Einblicke in Deine Lernreise, Deine Herausforderungen und Entwicklungen, für Dein Dasein. All das wird uns in liebevoller Erinnerung bleiben.

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