Eine persönliche Reflexion unserer Alumni
Im September 2025 fand erstmals ein Alumni- und Netzwerktreffen im Rahmen unseres Clubs der Perspektivenwechsler in Heidelberg statt. Die 1 ½ Tage wurden genutzt für die gemeinsame Fortbildung – Schwerpunkt „Reaktanz – Widerstand als Ressource im Coaching“ – sowie eine intensive Reflexion der bisherigen Professionalisierung als Coach. Die Teilnehmer:innen berichteten über ihre jeweils eigenen Wege, die dabei erlebten Höhen und Tiefen sowie ihre vor, während und nach Abschluss der Coaching-Ausbildung gewonnenen Erkenntnisse. Hiervon handelt diese Kolumne.
Der Club der Perspektivenwechsler ist das persönliche und interaktive Netzwerk für Absolvent:innen und Dozent:innen unserer Coaching-Ausbildung sowie für Alumni des Bachelor Studienganges “Soziale Arbeit, Management & Coaching” an der Internationalen Berufsakademie (iba). Der Club ermöglicht fortbestehenden Kontakt miteinander und mit dem Zentrum für interdisziplinäres Coaching.
Unser Ziel ist die Vernetzung untereinander, also von Coaching-Experten aus verschiedensten Wissenschafts- und Wirtschaftsbereichen, sowie ein reger Austausch rund um die Themen Coaching, Führung und Business auf kollegialer Ebene. Dieses exklusive Netzwerk bietet viele Möglichkeiten, eigeninitiativ Fragen und Anliegen zu diskutieren, inter- und transdisziplinäre Unterstützung für eigene Projekte zu finden, neue Kooperationen zu schließen und ein breit gefächertes Netzwerk aufzubauen.
Den Einstieg bildeten 10 Impulsfragen, an denen sich die Teilnehmer:innen bei der Beschreibung ihrer Coaching-Wege orientieren durften:
- Wo stand ich vor meiner Coaching-Ausbildung?
- Wo stand ich am Anfang der Ausbildung?
- Und wo stehe ich heute?
- Was waren bisher Höhepunkte in der Coaching-Profession für mich?
- Was waren bisher Tiefpunkte in der Coaching-Profession für mich?
- Wer oder was hat mich bisher geprägt?
- Welche Haltung (Einstellung, Glaubensätze) ist gewachsen? Was hat sich wie in mir verändert?
- Wo kann, darf, soll es hingehen?
- Wie definiere ich Erfolg für mich? Gibt es Vorboten davon?
- Welche Erkenntnisse teile ich aus meinem Weg, die für andere nützlich sein könnten?
Die beschriebenen Coaching-Wege beginnen an sehr unterschiedlichen biografischen Punkten, weisen jedoch bemerkenswerte strukturelle Gemeinsamkeiten auf. Vor der Coaching-Ausbildung stehen alle Beteiligten in jeweils eigenen Spannungsfeldern: zwischen hoher Verantwortung und innerer Erschöpfung, zwischen Vielseitigkeit und fehlender Fokussierung, zwischen Anpassung und unterdrückter Reaktanz, zwischen Leistung, Zweifel und dem Gefühl, nicht wirklich stimmig zu leben. Coaching erscheint zunächst weniger als klar umrissene Profession, sondern vielmehr als Suchbewegung nach Sinn, nach Orientierung, nach einem tragfähigen Verhältnis zu sich selbst und zur Welt.
Am Beginn der Ausbildung verdichten sich diese Spannungen. Die Teilnehmenden erleben sich häufig zugleich neugierig und verunsichert, offen und auf der Suche nach Orientierung. Viele bringen bereits erhebliche berufliche Erfahrung, Verantwortung oder theoretisches Wissen mit, fühlen sich jedoch innerlich noch nicht sortiert. Typisch für diese Phase ist ein hoher innerer Druck: der Wunsch, „richtig“ zu werden, aufzuholen, sich als Coach zu legitimieren oder endlich anzukommen. Vergleiche mit an-deren, Selbstzweifel und die Frage nach dem eigenen Platz im beruflichen wie auch privaten Umfeld spielen eine zentrale Rolle. Coaching fungiert hier zunächst als Projektionsfläche für Hoffnung, Entwicklung und Neuausrichtung.
Im Verlauf der Ausbildung verschiebt sich der Fokus deutlich. Höhepunkte werden nicht primär als äußere Erfolge beschrieben, sondern als innere Wendepunkte: das Erleben von Selbstregulation, das bewusste Innehalten, das Verstehen eigener Muster, das Zulassen von Ambivalenz. Besonders prägend sind Erfahrungen, in denen Kontrolle, Perfektionismus oder reine Leistungsorientierung an ihre Grenzen stoßen – etwa durch biografische Krisen, gesundheitliche Einschnitte, familiäre Belastungen oder das Scheitern gut gemeinter Interventionen im nahen Umfeld. Diese Tiefpunkte erweisen sich rückblickend als zentrale Lernräume für professionelle Reifung.
Über alle Wege hinweg lässt sich eine klare Haltungsentwicklung erkennen. Coaching wird zunehmend weniger als Technik oder Rolle verstanden, sondern als Ausdruck einer bestimmten inneren Position. Diese Position ist geprägt von Kontaktfähigkeit, Selbstreflexion und Demut gegenüber der eigenen Begrenztheit ebenso wie gegenüber der Andersartigkeit anderer. Der Anspruch, Probleme zu lösen oder Menschen „zu verändern“, tritt zurück zugunsten einer Haltung des Begleitens, Ermöglichens und Aushaltens. Viele beschreiben einen bewussten Abschied von Entweder-Oder-Logiken und eine Hinwendung zu Sowohl-Als-Auch-Perspektiven: Autonomie und Verbundenheit, Freiheit und Stabilität, Engagement und Selbstfürsorge dürfen gleichzeitig existieren.
Auch das Verständnis von Erfolg erfährt eine grundlegende Transformation. Klassische Erfolgsmarker wie Status, Wachstum oder Sichtbarkeit verlieren an Bedeutung. Stattdessen rücken Begriffe wie Erfüllung, Zufriedenheit, innere Stimmigkeit und artgerechte Selbsthaltung in den Vordergrund. Erfolg zeigt sich nicht mehr im Tun allein, sondern im Sein: in der Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu setzen, Verantwortung zu teilen und in Kontakt zu bleiben mit sich selbst und mit anderen. Vorboten dieses neu definierten Erfolgs sind leiser Natur: mehr Ruhe, mehr Geduld, weniger Reaktivität, wachsendes Vertrauen in den eigenen Weg.
Die Frage nach der Zukunft wird in allen Wegen bewusst offen gehalten. An die Stelle klarer Zielbilder tritt eine Haltung der Beweglichkeit. Die Beteiligten formulieren kein „Ankommen“, sondern ein Weitergehen in reduzierter Intensität, mit bewussteren Entscheidungen, mit größerer Selbstanbindung. Coaching wird nicht als abgeschlossenes Berufsbild verstanden, sondern als lebenslange Praxis der Selbst- und Weltbegegnung. Gerade darin liegt die gemeinsame Essenz dieser Wege:
Coaching als Profession ist weniger ein Ziel
als ein fortlaufender Prozess der Haltungsklärung.
„Das Buch bietet einen vielfältigen und dabei sehr differenzierten Überblick über die große Landschaft des Coachings. Besonders wertvoll dabei finde ich, wie überzeugend dargelegt wird, dass alle Methoden, Techniken und ‚tools‘ ihren Wert erst gewinnen durch eine ethisch kongruente Haltung mit tiefem Respekt vor der Einzigartigkeit und Unterschiedlichkeit von Menschen. Mit seiner Offenheit ansteckenden Neugier auch über den ‚Tellerrand des Coachings‘ hinaus und auf die sich in Coachings begegnenden multiplen Perspektiven bietet es einen reichhaltigen Schatz sehr anregender Lernchancen.“
Dr. med. Dipl. rer. pol. Gunther Schmidt
„Dieses Buch ist wichtig, weil es eine Sache deutlich macht: Coaching braucht Haltung. Und diese Coaching-Haltung beschränkt sich nicht auf eine Methode, Schule oder Theorie. Sie ist interdisziplinär. Aus meiner Sicht ist das die Grundlage für die Profession Coaching.“
In ihrer Gesamtheit zeigen diese Wege, dass professionelle Entwicklung im Coaching untrennbar mit persönlicher Entwicklung verbunden ist. Die Ausbildung wirkt dabei nicht als lineares Qualifizierungsprogramm, sondern als Resonanzraum, in dem biografische Erfahrungen, innere Konflikte und professionelle Fragen miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Aus dieser Beziehung heraus entsteht eine Form von Professionalität, die nicht auf Sicherheit, sondern auf Bewusstheit gründet und die gerade deshalb tragfähig ist.
Das Netzwerktreffen des Jahres 2025 endete am Samstagabend auf dem schwimmenden Restaurant Pier IV und der Heidelberger Schlossbeleuchtung. Und der übereinstimmenden Ansicht der anwesenden Alumni der Coaching-Ausbildung, dass jeder der bisherigen Wege gefeiert werden darf, zugleich das Erreichte lediglich ein Zwischenstopp sei auf dem weiteren Weg zur Professionalisierung als Coach. Und so dürfen wir – wie bei einem Sonnenuntergang – für den Moment innehalten und genießen, mit Vorfreude auf den nächsten Tag und das, was uns dann erwarten wird.
Überblick der Reflexionen von ehemaligen Teilnehmer:innen unserer Coaching-Ausbildung (gekürzter Ausschnitt)


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