😊 Haben Sie sich heute schon etwas Gutes getan?
In einer Welt voller Herausforderungen, insbesondere für alle mit Führungsaufgaben und in helfenden Berufen gilt es, sich der eigenen Möglichkeiten UND Grenzen bewusst zu sein. Aus dieser Perspektive gibt es diese scheinbar einfachen Fragen, die uns nicht mehr loslassen. Eine davon war Bestandteil unserer Kampagne „Der Fragen-Stupser“ im Jahr 2025:
🐘 „Wo ist ein wunderschöner Platz für die Liebe? Wo kann sie blühen und gedeihen?“
Eine mögliche Antwort liegt in der Balance von Selbstfürsorge und der Fürsorge für andere. Heute mal nicht aus der modernen Psychologie entnommen, sondern aus einer Quelle, die etwa 900 Jahre zurückreicht zu einem der bedeutendsten spirituellen Denker des Mittelalters: Bernhard von Clairvaux.
Was er formulierte, klingt wie eine sanfte, aber bestimmte Mahnung an all jene, die für andere da sind. Vor allem an Menschen in helfenden Berufen und an Führungskräfte, die oft im Spannungsfeld zwischen Verantwortung, Empathie, Selbstfürsorge und Leistungsdruck stehen.
Er spricht von der „Schale der Liebe“ und dem Unterschied zwischen einer Schale und einem Kanal:
„Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale,
nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,
während jene wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen
und habe nicht den Wunsch, freigebiger zu sein als Gott.
Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.
Du tue das Gleiche!
Zuerst anfüllen und dann ausgießen.
Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.“(Bernhard von Clairvaux, zitiert nach Schneider, M., 2022)
Was für ein Bild! Denn wie oft versuchen wir, gleichzeitig zu empfangen und weiterzugeben, ohne innezuhalten, ohne aufzutanken, ohne zu merken, dass wir längst selbst leer sind?
Gerade im beruflichen Alltag begegnet mir dieses Muster häufig: Menschen, die sich aufreiben in der Verantwortung für andere, in ihrer Rolle als Führungskraft, Coach, Therapeutin oder Lehrer. Menschen, die mit hoher Integrität, aber wenig Energie durch den Tag gehen. Oft kommt die Einsicht zu spät, wenn Erschöpfung zur neuen Grundstimmung wird.
Doch was wäre, wenn wir die Schale ernst nehmen würden?
Wenn wir begreifen, dass echte Fürsorge nur aus einem gefüllten Innenraum fließen kann und nicht aus Selbstverleugnung? Wenn wir uns selbst gönnen würden, was wir so selbstverständlich anderen ermöglichen: Fürsorge, Achtsamkeit, Liebe?
Führen aus Fülle – nicht aus Pflicht oder Automatismus
In unserer Vortragsreihe „Resilienz leben – Impulse für Führung mit Haltung“ greifen wir genau diesen Gedanken auf. Denn Resilienz heißt nicht, immer stark sein zu müssen. Sondern zu wissen, wann und wie wir uns stärken. Die Schale der Liebe ist ein kraftvolles Symbol für diese Form der Selbstführung:
- Sie steht für die Fähigkeit, innezuhalten.
- Für das Recht auf Selbstfürsorge.
- Für die Klarheit, dass niemand dauerhaft geben kann, was er selbst nicht hat.
Wir geben Impulse für ein Führungsverständnis, das Herz, Verstand und Integrität vereint. Und wir laden dazu ein, die eigene Schale wieder bewusst zu füllen: mit Sinn, mit Kraft, mit Verbundenheit. Mehr dazu in unserer Kolumne „Resilienz leben – Impulse für Führung mit Haltung“.
Einladung zur Reflexion
- Was füllt deine Schale?
- Was gibt dir Halt in herausfordernden Zeiten?
- Wie sorgst du im Alltag für deine Balance?
- Wem könntest du nur dann wirklich gut tun, wenn du dir selbst gut bist?
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, dir diese Fragen zu stellen. Nicht aus Egoismus, sondern aus tiefer Verantwortung für dich selbst. Und für all jene, für die du da bist.
Das Zitat von Bernhard von Clairvaux aus dem 12. Jahrhundert erinnert uns daran: Nur wer selbst mit Fülle gesegnet ist, kann großzügig geben, ohne sich selbst dabei auszubrennen.
Lass uns also darauf achten, dass unsere Schalen stets gefüllt sind – für uns selbst und für andere. ❤️
Sie möchten mehr zum Thema Coaching erfahren und/oder sich als Coach professionalisieren, um Menschen zu inspirieren?
Dann erfahren Sie hier mehr zu unserem Ausbildungsangebot. Oder melden Sie sich direkt für einen unserer kostenlosen Info-Abende zur Coaching-Ausbildung mit Start im Oktober 2026 an. Hier können Sie das Zentrum sowie Inhalte und didaktisches Konzept der Ausbildung besser kennenlernen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, all Ihre Fragen direkt an die Ausbildungsleitung zu richten. Termine und das Anmeldeformular für den Info-Abend finden Sie hier.
📚 Quellenangaben
Das Zitat aus der Fragenkampagne stammt aus: Beilfuß, C. (2024): Ein Himmel voller Fragen. Systemische Interviews, die glücklich machen. Heidelberg (Carl-Auer). 3. Aufl., S. 58.
Der Text von der „Schale der Liebe“ ist entnommen aus: Schneider, M. (2022): Burnout-Prävention aus dem 12. Jahrhundert. Texte von Bernhard von Clairvaux. In: Bistum Mainz, Fachstelle für katholische Büchereiarbeit im Bistum Mainz. URL: https://bistummainz.de/buecherei/fachstelle/aktuell/nachrichten/nachricht/Burnout-Praevention-aus-dem-12.-Jahrhundert/ (Abruf 02.01.2026)
„Das Buch bietet einen vielfältigen und dabei sehr differenzierten Überblick über die große Landschaft des Coachings. Besonders wertvoll dabei finde ich, wie überzeugend dargelegt wird, dass alle Methoden, Techniken und ‚tools‘ ihren Wert erst gewinnen durch eine ethisch kongruente Haltung mit tiefem Respekt vor der Einzigartigkeit und Unterschiedlichkeit von Menschen. Mit seiner Offenheit ansteckenden Neugier auch über den ‚Tellerrand des Coachings‘ hinaus und auf die sich in Coachings begegnenden multiplen Perspektiven bietet es einen reichhaltigen Schatz sehr anregender Lernchancen.“
Dr. med. Dipl. rer. pol. Gunther Schmidt
„Dieses Buch ist wichtig, weil es eine Sache deutlich macht: Coaching braucht Haltung. Und diese Coaching-Haltung beschränkt sich nicht auf eine Methode, Schule oder Theorie. Sie ist interdisziplinär. Aus meiner Sicht ist das die Grundlage für die Profession Coaching.“




