Seufert Zimmermann Rezension Eidenschink

Rezension zu Klaus Eidenschink: Die Kunst des Konflikts

Kim Jonas Seufert & Moni Zimmermann

Klaus Eidenschink legt mit Die Kunst des Konflikts ein Werk vor, das sich mit großem theoretischem Anspruch der Frage widmet, wie Konflikte entstehen, sich selbst erhalten, verstärken und in sozialen Systemen wirksam werden. Sein Buch ist brillant formuliert, intellektuell geschliffen und mit einer Klarheit komponiert, die der systemtheoretischen Tradition alle Ehre macht. Und doch entfaltet sich für uns beim Lesen – und erst recht beim reflektierenden Gespräch darüber – eine Spannung, die den Kern dieser Rezension ausmacht: das Gefälle zwischen theoretischer Brillanz und praktischer Handhabbarkeit.

Inhaltsverzeichnis

Konflikt als Immunsystem statt Störfall

In diesem Buch distanziert sich Eidenschink konsequent von der Idee, Konflikte seien primär Störungen, die es schnellstmöglich zu befrieden oder „wegzulösen“ gilt (Eidenschink 2023, S. 13-14). Mit der Freiheit Bestehendes zu verneinen, neue Entscheidungen zwischen Alternativen zu erlauben und dem Versuch Unklarheit, Unabgestimmtheit und Unsicherheit klären zu wollen, wirken Konflikte fast wie ein Immunsystem sozialer Systeme (Eidenschink 2023, S. 37 nach Luhmann 1998, S.211).

Das ist wohltuend ernüchternd, und grundlegend: Wer nachhaltige Veränderung will, wer Freiheit will, wer Gemeinschaft will, bekommt Konflikt nicht als Betriebsunfall, sondern als „Funktion von Veränderung“ mit der er zurechtkommen muss, wie mit dem Wetter (Eidenschink 2023, S. 21), um stetig neue stabile Ordnungen zu schaffen (Eidenschink 2023, S. 15, 20), die auch die Chance auf Bestand haben und nicht nur mit vorschnellen, vermeintlichen Lösungen oder Lösungen, die keiner haben will zu enden oder aber alternativ in der Konflikt-Dauerschleife gefangen zu bleiben (Eidenschink 2023, S. 29).

Übersetzt in die Sprache von Veränderungsbegleitung, spricht man häufig von Akzeptanz – im Endeffekt ein anders Wort für einen Konflikt, der gut ausgegangen ist (oder evtl.gut gesteuert wurde). Je schneller Veränderungen aufeinander folgen, desto mehr wird der reife Umgang mit Konflikten zur Metakompetenz – nicht nur für Berater und Beraterinnen, sondern für alle, die gestalten wollen.

Ein starkes Buch – und ein sehr distanziertes

Eidenschink beschreibt Konflikte aus einer analytischen Perspektive. Seine Modelle, insbesondere die neun Leitunterscheidungen (Eidenschink 2023, S. 47-51), ordnen das Phänomen mit großer Präzision und schaffen mit insgesamt 18 Kompetenzfelder eine “Landkarte, die ihr hilft, das Gelände zu verstehen, den Standort zu bestimmen und gangbare Wege zu finden” (Eidenschink 2023, S. 150), auf der sich Konfliktdynamiken verorten lassen. Auch die umfangreichen Tabellen, die u. a. Dimensionen, Modi und kommunikative Verhaltensweisen systematisieren, sind beeindruckende Instrumente. Sie ermöglichen dem Individuum eine feine diagnostische Unterscheidung und eignen sich hervorragend für Forschung, Analyse und das strukturierte Nachdenken über Konflikte.

Doch neben der Detaillierung, die diese Elemente der Landkarte geben und damit zweifelsfrei hilfreich sind, ergänzt Eidenschink im letzten Drittel des Buchs dann auch um eine Dimension, die uns in der Betrachtung bisher gefehlt hat und aus unserer Sicht zur eher zweidimensionalen Landkarte von Funktion und Dysfunktion in den Leitunterscheidungen sozusagen die „Topografie“ des Konflikts abbildet. Eidenschink versucht bewusst mit dem von ihm vorgeschlagenen Schema zur Form des Konflikts – in seinem Vergleich und als Gegensatz zu Glasls Phasenmodel, das er als auf dysfunktionale Konflikte ausgeprägt beschreibt (Eidenschink 2023, S.159) – ein neutrales, nicht wertendes Modell zu etablieren (Eidenschink 2023, S. 158 – 162). Dieses Schema soll helfen, den Konflikt zu betrachten ohne ihn zu interpretieren und ohne etwas als hilfreich oder schädlich zu beschreiben (Eidenschink 2023, S. 162). Sein Ansatz „erst die Form und Funktion des Konflikts und seiner Dynamik zu beschreiben“ und erst danach, über dem Konflikt zielgerichtete Intervention und Interaktion nachzudenken (Eidenschink 2023, S. 167), klingt aus sicherer Distanz sinnvoll und schlüssig – doch der Autor bemerkt zu recht „All das liest sich leichter, als es sich umsetzen lässt“ (Eidenschink 2023, S.163), im Vergleich mit Glasl zeigt sich zum einen die gewisse Ähnlichkeit, zum anderen, dass Eidenschink weniger wertend auf die 9 Leitunterscheidungen schaut und mehr Handlungsspielraum bei den Konfliktbeteiligten sieht, während Glasl bewusster und klarer dysfunktional bewertet (siehe Tabelle 1: Vergleich der 9 Eskalationsstufen nach Glasl und der 9 Leitunterscheidungen nach Eidenschink).

Nr.

Glasl (Eskalationsstufe)

Eidenschink

(Leitunterscheidung)

Gemeinsamkeiten

Unterschiede/

Besonderheiten

1.

Verhärtung

Aufmerksamkeits-modus

Beginnende Polarisierung, Wahrnehmung verengt sich

Glasl beschreibt Symptome, Eidenschink fragt nach dem Grad der Generalisierung

2.

Debatte

Beschreibungsmodus

Argumentativer Schlagabtausch, Polarisierung von Positionen

Eidenschink betont Pluralität der Perspektiven, Glasl fokussiert Polarisierung

3.

Taten statt Worte

Bewertungsmodus

Handlungsbetonte Eskalation, Gesprächsabbruch droht

Eidenschink analysiert Bewertungsebene. Glasl beschreibt Eskalationsverhalten

4.

Koalitionen

Kontaktmodus

Gruppenbildung, soziales Umfeld wird einbezogen

Eidenschink fragt nach dialogischer vs. feindlicher Gestaltung. Glasl betont Lagerbildung

5.

Gesichtsverlust

Erklärungsmodus

Zuschreibung, Bloßstellung, Schuldfragen

Eidenschink unterscheidet Erklärungsmuster. Glasl sieht Gesichtsverlust

6.

Drohstrategien

Machtmodus

Machtausübung, Eskalationsdruck

Eidenschink unterscheidet Machtmittel und Aushandlung – Glasl beschreibt Drohungen

7.

Begrenzte Vernichtung

Zielmodus

Zielorientierte Schädigung

Eidenschink hinterfragt Zielorientierung – Glasl sieht Zerstörungsabsicht

8.

Zersplitterung

Reaktionsmodus

Destruktives Verhalten, Gesprächsverweigerung

Eidenschink fragt nach Reaktionsmustern. Glasl beschreibt systemischen Zerfall

9.

Gemeinsam in den Abgrund

Aktionsmodus

Radikale Eskalation, Selbst- und Fremdvernichtung

Glasl beschreibt totale Konfrontation ohne Rückweg; Eidenschink stellt mit dem Aktionsmodus die Frage, ob überhaupt noch Perspektivwechsel möglich ist. Der Eskalationsgrad verhindert in Glasls Modell praktisch jede Deeskalation, während Eidenschink mit dem ‚erkundenden‘ Pol noch minimale Öffnungen markiert.

Tabelle 1: Vergleich der 9 Eskalationsstufen nach Glasl und der 9 Leitunterscheidungen nach Eidenschink (Glasl 1980, S. 235-317; Eidenschink 2023, S. 48-49)

Doch gerade dort, wo Menschen real mit Konflikten ringen – im Team, in Beziehungen, in Familien, in organisationalen Veränderungsprozessen – entsteht ein Bruch: Die Komplexität, die das Buch entfaltet, ist kaum unmittelbar handlungsleitend. Vielleicht ist das auch nicht der Anspruch des Autors. Und ja, wir stimmen zu, Rezepte zum Umgang mit xy sind nur bedingt tragend. In akuten Situationen allerdings greift kaum jemand zu einer Tabelle, identifiziert Kommunikationsmodi oder reflektiert Eskalationsparameter – zumal auch Eidenschink anmerkt, dass der Konflikt Strukturen und Kompetenzen braucht, die nicht im Konfliktsystem zu finden sind (Eidenschink 2023, S. 25). Denn so präzise die Beobachtung gelingen mag – sie gelingt am wahrscheinlichsten aus einer sicheren Entfernung zum Geschehen.

Auch Eidenschinks 18 Reflexionsfragen-Kästen (Eidenschink 2023, S. 117–146) zu den einzelnen Regulationskompetenzen sind substanziell und ehrlich formuliert – sie verlangen echte Selbstprüfung. Doch auch sie setzen jene Distanz voraus, die im Konflikt gerade fehlt: Wer wirklich brennt, greift nicht zum Buch, um sich zu fragen, ob er „Freundlichkeit und Bestimmtheit gleichzeitig aufrufen“ (Eidenschink 2023, S. 117) kann. Die Praxis des souveränen Umgangs mit Konflikten verlangt ein Format von Unterstützung, das über Reflexion und analytische Nachbetrachtung hinausgeht: erfahrbar, übbar, emotional durchdringbar.

Theorie auf hohem Niveau – aber für wen eigentlich?

Im Gespräch über das Buch wurde uns deutlich, dass viele Leserinnen und Leser es kaufen könnten, weil sie unter Konflikten leiden und Hilfe suchen. Doch das Buch ist kein Ratgeber – und will auch keiner sein. Wir merken an, dass weder die Dimensionen verfehlt oder die Modi konstruiert wären – so wie sie herausgearbeitet sind, haben sie Hand und Fuß. Gleichzeitig fühlt es sich an, wie ein Werk aus einem „Elfenbeinturm“, in dem sich Theorie, Sprache und Selbststilisierung mitunter gegenseitig verstärken. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Stück Metatheorie, das intellektuell glänzt, aber den Schmerz realer Konflikte nicht handlungsleitend aufgreift. Und genau in dieser Spannung liegt der Reibungspunkt unserer Rezension – und vielleicht auch des Buches selbst. Es fehlen uns Impulse zum Nach- und vor allem zum Vorbereiten von Konflikten und zum hilfreichen Umgang damit.

Dass dies so ist, öffnet einen kritischen Raum: Wenn ein Buch den Anspruch erhebt, die „Kunst des Konflikts“ zu beschreiben und die Praxis der Konfliktregulierung zu vermitteln, entsteht bei vielen Lesenden die Hoffnung auf praktische Orientierung. Genau diese Brücke schlägt das Buch nur sehr begrenzt.

Anzumerken bleibt, dass Eidenschink hier mit dem Titel “Die Praxis des Konflikts” (das Buch soll im Oktober 2026 erscheinen) den von uns als tatsächliche Kunst des Konflikts identifizierten Praxisteil nicht mehr nur in der Theorie adressieren möchte. Darauf blicken wir gespannt im Hinblick auf diese gefühlte Lücke zwischen Theorie und Anwendung.

Die Beispiele – Schaufenster statt Werkstattprotokoll

Eidenschink illustriert seine Theorie reichlich – knapp zwanzig Fälle. Bei genauer Lektüre fällt ein Muster auf: In den meisten Vignetten ist Eidenschink selbst als intervenierender Berater präsent, in rund vier von fünf Fällen ist seine Frage der Wendepunkt. Fast alle Fälle enden positiv; ein erzähltes Scheitern kommt nicht vor.

Wie sich das liest, am konkreten Beispiel (Eidenschink 2023, S. 175): Sechs Ehepaare streiten in einem Wohnprojekt über die Nutzung eines Gebäudeteils. Eidenschink stellt eine Frage – und „noch bevor jemand dazu etwas sagen konnte, war atmosphärisch klar, dass dies eine Lösung sein könnte“. Ein Lösungsmoment als magische Verdichtung.

Diese Glättung steht in Spannung zum programmatischen Anspruch des Buches selbst: „Konflikte sind rücksichtslos… sie scheren sich nicht um die Kosten“ (Eidenschink 2023, S. 98). In den Vignetten leisten fast alle Konflikte gute Arbeit. Die Beispiele sind das Schaufenster der Methode, nicht das Werkstattprotokoll – sie zeigen, was möglich ist, nicht, woran es scheitert.

Auf den Schultern – aber mit der Hypothek der Wertfreiheit

Eidenschink ignoriert die Vorgänger nicht. Er würdigt Friedrich Glasls Phasenmodell an zentraler Stelle als „eines der am weitesten verbreiteten und zu Recht sehr anerkannten Modelle“ (Eidenschink 2023, S. 159). Was uns am Buch fehlt, fehlt daher nicht aus Versehen, sondern aus theoretischer Konsequenz.

Eidenschink kritisiert an Glasl die moralische Vorentscheidung – dass Polemik, Drohung, Eskalation per se als dysfunktional gelten. Dem stellt er ein dezidiert wertfreies Schema entgegen: neun „Leitunterscheidungen“ entlang der drei Luhmann’schen Sinndimensionen. Das ist intellektuell konsistent, systemtheoretisch sauber – und hinterlässt eine Hypothek. Denn was Glasls neun Stufen leisten, ist weniger Bewertung als Verlaufslogik, die auch die Konfliktparteien selbst verstehen können: „bis hierher und nicht weiter ohne Hilfe von außen“. Eidenschinks Schema kennt diese Diachronie nicht.

Damit verschiebt sich unsere Kritik. Es geht nicht um mehr Modell, sondern um eine andere Modellart – eine, die den Beteiligten etwas zu sagen hat, nicht nur dem beobachtenden Dritten. Eidenschinks Tabellen sind diagnostisch brillant für Berater:in, Forscher, Supervisorin. Glasls Stufen sprechen auch diejenigen an, die sich selbst in einer dieser Stufen wiederfinden. Beide bleiben jedoch kognitiv. Beide überbrücken nicht den Urteils-Handlungs-Hiatus: die Lücke zwischen dem klaren Verstehen einer Situation und dem fähigen Handeln in ihr. Was sie schließen kann, ist kein weiteres Modell, sondern eine wissende Haltung – im Körper verankert, unter Begleitung geübt. Eine Haltung, die im Konflikt anwesend bleibt, ohne zu glätten – und ohne sich selbst zu verlieren. Eben das lässt sich nach unserem Dafürhalten nicht erlesen, ist aber die Kunst des Konflikts in der Praxis.

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Konflikte sind Beziehungseinladungen – oder: Was fehlt?

Im gemeinsamen Nachdenken entsteht bei uns eine alternative Perspektive: Konflikte als Beziehungs- und Veränderungsangebote zu verstehen, als Ausdruck von Freiheit und Kontingenz, als Chancen für Wachstum, als geteilte Räume Orte, in denen Menschen einander begegnen und sich verändern können – oder eben bewusst auch nicht. Ein solcher Zugang erfordert Mut, Offenheit und die Fähigkeit, Ambivalenz auszuhalten. Er verlangt eine Haltung, die nicht nur analysiert, sondern einlädt, provoziert, aushält und trainiert.

Viele Menschen, die Konflikte scheuen oder dysfunktionale Muster wiederholen, brauchen keine komplexeren Modelle, sondern konkrete Erfahrungsräume. Sie brauchen Trainingsformen, in denen Konflikte simuliert, gespürt und reflektiert werden können – nicht nur analysiert. Gerade darin liegt ein Desiderat, das dieses Buch sichtbar macht, aber nicht erfüllt. Es ist gemäß der Reihe „Beratung, Coaching, Supervision“ eher Denkwerkzeug und Impulsgeber für systemisch orientierte Profis; als Begleiter für eine ratsuchende Person ohne Vorerfahrung könnte es jedoch genau jene blinden Flecken, die es so treffend beschreibt, eher stilvoll einrahmen als zu helfen, diese nachhaltig nutzbar zu machen.

Von der Analyse zur Praxis: Eine mögliche Weiterführung

Unser Gespräch führte zu einer Vision, die sich aus der Lektüre des Buches heraus geradezu aufdrängt: der Entwicklung eines praxisorientierten Konfliktprogramms, das Theorie, Erfahrung und Training verbindet und damit erfahrbar macht. Ein „Konflikt-Bootcamp“, das Menschen über einen längeren Zeitraum begleitet, mit Szenarien, Rollen, Prototyp-Figuren und Simulationsübungen arbeitet und Menschen befähigt, Konflikte nicht pauschal zu verteufeln oder zu vermeiden, sondern als Einladung aktiv und gemeinsam in ihrer wichtigen Funktion tatsächlich nutzbar zu machen, um Strukturen und Ordnungen nachhaltig hinterfragen, anpassen und aktiv gestalten zu können.

Zu einer solchen Praxis gehört auch ein Blick auf die kommenden Entwicklungen in Organisationen. Die neue Fassung der ISO 9001 (erscheint im Herbst 2026) fordert explizit Wertebewusstsein, Führungskultur und gelebte Ethik. In einer organisationalen Landschaft, die zunehmend Veränderung, Ambiguität und Konflikte hervorbringt, braucht es Formate, die beides verbinden: Konfliktkompetenz und Wertearbeit. Eidenschinks Buch liefert dafür theoretische Bausteine im Bereich der Regulationskompetenz – aber nicht die Brücke in die Umsetzung.

Das Potenzial des Buches – und das Potenzial darüber hinaus

Die Kunst des Konflikts ist ein Buch, das inspiriert, irritiert und zur Auseinandersetzung zwingt. Es ist ein bedeutendes theoretisches Werk, das die systemische Konfliktforschung bereichert. Aber es bleibt denjenigen, die echte Veränderung in ihrem Konfliktverhalten suchen, über den theoretischen Ansatz und die Selbstreflexion hinaus vieles schuldig.

In dieser Spannung liegt der Wert des Buches: Es eröffnet den Raum für Weiterentwicklung. Es lädt ein, Modelle, Schulen und Perspektiven miteinander zu verweben – von Logotherapie über Hypnosystemik und Kommunikationstheorie bis hin zu Rollenkonflikten und Veränderungsmodellen. Und es fordert geradezu dazu auf, etwas Handlungsleitendes daraus zu machen.

Fazit

Eidenschinks Buch ist ein kraftvolles Stück Theorie, das Konflikte in ihrer inneren Logik sichtbar macht. Doch wer praktische Werkzeuge sucht, wird es mit einem gewissen Abstand lesen müssen – und mit der Bereitschaft, die fehlende Brücke selbst zu bauen oder bauen zu wollen. Das Buch ist wertvoll vor allem im Bereich des systemisch fundierten Konfliktdenkens– aber nicht ausreichend. Es braucht eine Erweiterung, die Konflikte nicht nur analysiert, sondern Menschen befähigt, sie im Konflikthandeln nutzen zu können.

Vielleicht liegt genau darin die Kunst des Konflikts: nicht in der reinen Metatheorie, sondern in der Verbindung aus klarem Denken, erfahrungsorientiertem Training mit Verkörperung und einer tiefen menschlichen Haltung: Konflikte sind Angebote zum Wachstum. Dafür muss man bereit sein, auch den Schmerz auszuhalten. Diese Rezension ist ein Ausdruck dieser Suchbewegung.

Literatur

Eidenschink, Klaus. 2023. Die Kunst des Konflikts: Konflikte schüren und beruhigen lernen. Vierte Auflage 2025. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag.

Glasl, F. (1980): Konfliktmanagement. Diagnose und Behandlung von Konflikten in Organisationen. Bern/Stuttgart: Haupt Verlag

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich der 9 Eskalationsstufen nach Glasl und der 9 Leitunterscheidungen nach Eidenschink (Glasl 1980, S. 235-317; Eidenschink 2023, S. 48-49)

Kim Jonas Seufert
Kim Jonas Seufert

Kim Jonas Seufert

Personal und Business Coach; Chief Coaching Officer und Berater für Organisations- und Produktentwicklung, AYKEY GmbH; Associate Coach im Deutschen Bundesverband Coaching e.V. (DBVC); Gründer und Inhaber von „Veränderung. Wachstumsorientiert Begegnen!„.

Kontakt: kim@veraenderung-begegnen.de

Prof. Dr. Monika Zimmermann
Prof. Dr. Monika Zimmermann

Monika Zimmermann

Prof. Dr.; Diplom-Erziehungswissenschaftlerin; Pädagogin; Professorin an der Internationalen Berufsakademie, Studiengang Soziale Arbeit & Management, Personal und Business Coach; Systemische Beraterin/Therapeutin (Internationale Gesellschaft für systemische Therapie – igst); Senior Coach, Sachverständige, Gutachterin und Mitglied im Fachausschuss Forschung im Deutschen Bundesverband Coaching e.V. (DBVC); Educational Provider for Business Coaching und Scientific Coaching Expert der International Organization for Business Coaching e.V. (IOBC); Lehr-Coach und zertifizierter Coaching-Weiterbildungsanbieter (DBVC und IOBC); Gründerin und Inhaberin des Zentrums für interdisziplinäres Coaching; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Oskar-Patzelt-Stiftung (Großer Preis des Mittelstands).

Kontakt: mz@coaching-zentrum-zimmermann.de

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