Pessimisten küsst man nicht…

Ist schon seit Jahrzehnten eines meiner Lieblingsbücher. Das sieht man – deutliche Gebrauchsspuren von meiner mehrfachen Lektüre in der Sonne, am Strand. Die inneren Werte zählen 😉 Und davon gibt es in diesem Buch viele.

Wie recht er doch hat, der gute alte Martin Seligman. Ich schätze ihn für seine wertvolle Theorie der „Erlernten Hilflosigkeit“ und der später daraus erschaffenen „Positiven Psychologie“ – beides Ansätze, die ich seit Jahren als theoretisches Fundament meiner Lehre und Forschung heranziehe. So etwa in dem zusammen mit Yvonne Reyhing entwickelten Coaching-Ansatz, welchen wir im Juni auf der Conference on Positive Psychology (ECPP 2022) in Reykjavik vorstellen werden.

Aus gutem Grund – wie wir an der aktuellen Nachfrage nach dieser Fachrichtung erkennen können. Es braucht KEINE ICD 10-Diagnosen oder Pillen, um uns Menschen neuen Schwung und neu erweckte Kraft zu verleihen. Wichtig ist der analytische Blick darauf, wie wir uns Erfolge und Misserfolge „erklären“ und welche Gefühle und Handlungen daraus erwachsen.

„Positiv“ heißt im Falle dieses Ansatzes genau hinzuschauen, was sich wer wie erklärt und was daraus entsteht (KEINE rosa Brille, sondern analytischer Blick mit der Option zu logischen Schlussfolgerungen). Hier mein absolutes Lieblingszitat dazu:

Der Abbau habitueller und unrealistischer Mißerfolgsfurcht, die Förderung erfolgszuversichtlicher Kompetenzmotivation sowie die Entwicklung selbstbestimmter Interessen lassen sich als pädagogisch-psychologisch wünschbare Ziele begründen.

Rheinberg 1998, 359 (zitiert nach Zimmermann 2011, 86)

Menschen haben das Bedürfnis, Phänomene wie beispielsweise Erfolg und Misserfolg auf bestimmte Ursachen zurückzuführen. Ein solches Wissen erlaubt es, zukünftig solche Ereignisse zu beeinflussen. Gegenstände der Attributionsforschung sind deshalb Meinungen oder Überzeugungen über die Ursachen von Ereignissen und Sachverhalten. Und genau hier können wir auch in der Ausbildung und im Coaching hilfreich ansetzen.

In meiner Promotion ging ich schon dieser These nach: „In Aus- und Fortbildung wird oft mit der konventionellen Annahme gearbeitet, dass Lernerfolg das Ergebnis einer Mischung aus Wissen, Begabung und Motivation ist. Zu Fehlschlägen im Lernprozess kann es jedoch auch kommen, wenn Wissen, „Begabung und Motivation zwar im Überfluss vorhanden sind“, jedoch ein realitätsnaher Optimismus fehlt (vgl. Seligman).“

Die hochgradig reflexive Fähigkeit, sich selbst kritisch prüfend über die eigene „professionelle Schulter“ zu schauen ist nicht denkbar ohne einen hohen Grad an Motivation. Welche motivationalen Voraussetzungen müssen gegeben sein, dass eine solche selbstständige Kompetenzentwicklung möglich wird?

Im Wesentlichen fußt mein Coachingkonzept motivationstheoretisch auf drei begründeten Ansätzen zur Beschreibung und Einordnung motivationaler Bedingungen: Attributionstheorie (als Grundlage der Optimismusforschung), Zielorientierungstheorie und Selbstbestimmungstheorie.

Und auch wenn Martin Seligman auf meine Anfrage, ob er bei meinem aktuellen Herausgeberband mitwirkt, (warum auch immer) in keiner Weise reagiert hat, bleibt mein Respekt für seine wissenschaftliche Schaffenskraft und -leistung, denn ohne ihn hätte es vermutlich diese tolle Sichtweise/Disziplin nicht gegeben und damit auch nicht all die aktuellen berufenen Professuren und Studiengänge, die uns bestimmt inspirieren werden.

Sie möchten diesen Ansatz für sich entdecken? Probieren Sie es mit unserem Übungsblatt zu optimistischen Denkgewohnheiten.

Auch in unserer Coaching-Ausbildung bedienen wir uns der Erkenntnisse der positiven Psychologie und helfen den Teilnehmer*innen dabei, eine Haltung des realitätsnahen Optimismus gegenüber ihrer Arbeit als Coach einzunehmen. Sie ist eine der vier Theorien, mithilfe derer wir unsere Auszubildenden zu ihrem positiven professionellen Selbstkonzept als Coaches leiten, um so ihr wirkungsvolles Handeln zu ermöglichen.

Mit Hilfe unseres theoriegeleiteten Professionalisierungsmodells entwickeln die Auszubildenden ein positives Selbstkonzept als Coach sowie die Fähigkeiten, die sie benötigen, um ihre Klient*innen in ihrer Begegnung und Auseinandersetzung mit alltagsbezogenen Herausforderungen spezifisch begleiten und fördern zu können.

Klingt interessant? Mehr Informationen zu unserer Coaching-Ausbildung finden Sie hier.

1 Kommentar zu „Pessimisten küsst man nicht…“

  1. Pingback: Coaching, Beziehungsgestaltung und kindliche Entwicklung - Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert