ganzheitlich und datenbasiert
Dr. Ursula Wagner | Coaching Center Berlin – Integral Health Academy | 18. Juni 2026 | Online-Vortrag | Metropolregion Rhein-Neckar | 3. Abend der Resilienzreihe
Executive Summary
Dieser 45-minütige Online-Vortrag schließt eine dreiteilige Reihe zu individuellem Resilienzcoaching für Führungskräfte ab. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Führungskräfte nachhaltige Selbstfürsorge als Haltung und Praxis entwickeln können – und warum das keine persönliche Angelegenheit ist, sondern eine Führungsaufgabe mit unmittelbarer Wirkung auf Teams und Organisationen.
Ausgangspunkt: Longevity und Biohacking – was steckt wirklich dahinter?
Der Vortrag beginnt mit einer kritischen Einordnung des Longevity-Trends. Longevity bedeutet nicht Anti-Aging, sondern die Verlängerung des gesunden, leistungsfähigen Lebens – des Healthy Lifespan. Die Forschung zeigt: Die drei körperlichen Grundpfeiler sind Ernährung, Schlaf und Bewegung. Ergänzt werden diese durch Neurostressregulation, Hormonbalance, Genetik und gezielte Longevity-Interventionen. Wissenschaftlich bestätigt ist auch, was intuitiv einleuchtet: Sinnerleben und tragende Beziehungen sind starke Langlebigkeitsfaktoren – belegt durch die Harvard Grant Study of Adult Development, die längste Längsschnittstudie der Psychologie.
Die Unternehmensrealität: Stress ist systemisch
Aktuelle Daten zeigen das Ausmaß: 66 % der Beschäftigten leiden unter chronischer Erschöpfung, 48 % unter Schlafproblemen, 1 von 4 weltweit zeigt Burnout-Symptome. Stress wirkt auf vier Ebenen gleichzeitig: Energie, Organe, Stimmung und Verhalten. Das integrale Modell der vier Quadranten verdeutlicht, wie Gesundheit wechselseitig auf Psyche & Persönlichkeit, Physis & Verhalten, Kultur & Beziehungen sowie Systeme & Strukturen wirkt. Gesundheit ist keine Privatsache – sie ist Unternehmensthema.
Vorbildfunktion: Führung wirkt immer – auch implizit
Resilienzförderung beginnt nicht mit Maßnahmen, sondern mit der gelebten Haltung der Führungskraft. Nach Banduras Social Cognitive Theory lernen Menschen durch Beobachtung – und Vorbilder wirken am stärksten, wenn sie als ähnlich und erreichbar wahrgenommen werden, nicht als unerreichbare Superstars. Forschungsergebnisse der Autorin aus ihrer Dissertation zeigen: Weisere Führungskräfte gehen achtsam mit sich um, leben Regeneration, pflegen Kunst & Kultur und suchen vielfältigen Kontakt über Generationen und Kulturen hinweg. Das Paradox: Resilienz kann man nicht predigen und selbst im Dauerstress leben.
Was Körper und Daten zeigen: Stress messen und verstehen
Stress summiert sich unbemerkt im Körper. Das Konzept der Allostatic Load erklärt, warum Belastungen sich aufaddieren – und warum Menschen ihre eigene Stressbelastung systematisch unterschätzen. Herzratenvariabilität (HRV) macht Stress und Erholung in Echtzeit sichtbar. Wearables liefern diese Daten bereits – der entscheidende Schritt ist der Dialog darüber im Coaching. Embodiment-Ansätze zeigen: Resilienz ist körperlich verankert. Atemübungen, Haltung und Neurotransmitter-Balance sind direkte Hebel. Der Rubikonzyklus erklärt, wie aus Bedürfnissen nachhaltige Handlungen werden.
Longevity: kein einheitliches Playbook für Frauen und Männer
Ein zentraler und oft übersehener Befund: Longevity und Stressresilienz folgen bei Frauen anderen Gesetzen als bei Männern. Frauen leben länger, sind aber am Lebensende gebrechlicher. Das kardiovaskuläre Risiko steigt nach der Menopause sprunghaft an – auf das Niveau gleichaltriger Männer. Frauen werden dabei systematisch zu wenig gescreent und behandelt. Herzerkrankungen töten mehr Frauen als alle Krebsarten zusammen. Für Führungskräfte bedeutet das: Stress- und Gesundheitsangebote brauchen geschlechtssensible Zugänge.
Praxis-Tools: Haus der Resilienz und Vitalitätsbaum
Zwei sofort einsetzbare Reflexionsinstrumente werden vorgestellt. Das Haus der Resilienz gibt Orientierung über stabile Fundamente und Risikobereiche. Der Vitalitätsbaum ermöglicht eine ganzheitliche Selbstreflexion über sieben Ebenen: körperliche Grundlagen, Energie & Schlaf, Mikropausen, mentale Routinen, Beziehungen, Arbeitskontext und die aktuelle Lebenswetterlage. Beide Tools eignen sich als Selbst-Check und als niedrigschwelliger Gesprächsanlass im Mitarbeitendengespräch.
Transfer: Was morgen umsetzbar ist
Der Vortrag schließt mit konkreten Transferideen auf drei Ebenen: für die eigene Person, im Team und in der Organisationsstruktur. Leitmotto: “Start where you are. Do what you can.” Resilienz ist kein Zustand – sie ist ein täglich gewählter Prozess. Führungskräfte, die das für sich selbst ernst nehmen, verändern das Klima um sich herum.


Über die Autorin dieser Kolumne
Dr. Ursula Wagner
Psychologin, Senior Coach, Expertin für Health Coaching.
Sie bringt Perspektiven ein, die moderne Selbstfürsorge, Körperwissen, Stressregulation, Embodiment und Tracking-Verfahren verbinden.
Dr. Ursula Wagner und das Coaching Center Berlin:
Weiterbildung zum Holistic Health & Longevity Coach
In unserer Coaching-Kolumne “Resilienz leben – Impulse für Führung mit Haltung” erhältst Du einen Überblick zur Vortragsreihe, mehr Wissen zum Thema Resilienz und lernst die Mitwirkenden kennen.
Zudem kannst Du passend zum Thema das Buch von Monika Zimmermann | Lucille Schäfer | Ursula Wagner (Autorinnen) “Individuelle Resilienzförderung im Coaching” kennenlernen, welches voraussichtlich Anfang September 2026 beim Carl-Auer-Verlag Heidelberg erscheint.
Dieses Buch räumt mit dem Mythos auf, denn Resilienz ist keine Zauberei, sondern baut auf Kompetenzen auf, die bereits vorhanden sind.
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