Lernen, Erleben & Wirken im virtuellen Raum: Modul 5 der Coaching-Ausbildung zeigt die Möglichkeiten von Online-Coaching und virtueller Lehre

Zum fünften Modul unserer Coaching-Ausbildung trafen sich die Teilnehmenden mit der Ausbildungsleitung und 3 Gastreferentinnen des Zentrums für interdisziplinäres Coaching am Wochenende vom 13. bis 15. Januar 2023, diesmal komplett online.

Die Teilnehmenden befanden sich im besten Setting, um eines der Hauptthemen des Wochenendes am eigenen Leib nachvollziehen zu können: Online-Coaching. So wurden die veränderten Bedingungen, die mit einem virtuellen Seminar einhergehen, nicht nur durch wertvolle, praxisrelevante Inputs ausbalanciert. Durch viele verschiedene Themen, Gastvorträge sowie ausreichend Raum für Pausen, Übungen und Austausch blieb es auch ohne persönlichen face-to-face-Kontakt kurzweilig und abwechslungsreich.  

Durch die von der Dozentin Lara Felisa Rubbel vorgestellten und zum Ausprobieren angeleiteten körperorientierten Methoden speziell geeignet für Online-Coaching auf dem faszinierenden theoretischen Hintergrund des Themas ‚Raum‘ wurden Sichtweisen erweitert und passenderweise gleich ‚verkörpert‘. Ein Highlight des Wochenendes war die von Prof. Dr. Elke Berninger-Schäfer entwickelte und den Ausbildenden demonstrierte Plattform „CAI® World“ um alle Herausforderungen und Chancen rund um Online-Coaching zukünftig gezielt meistern zu können.

Die Teilnehmenden und die Ausbildungsleitung kamen online zum 5. Modulwochenende zusammen und erfuhren dabei u.a. Coaching im virtuellen Raum (links: Ausschnitt eines virtuellen Coaching-Tools der CAI® World von der Expertin für Online-Coaching Prof. Dr. E. Berninger-Schäfer) © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Ein weiterer Schwerpunkt drehte sich um die Risiken des vorschnellen Urteilens im Coaching. Neigen wir nicht alle ab und an zum voreiligen ‘Diagnostizieren’? Begriffe wie Narzissmus oder Depression sind fast schon so alltagsgebräuchlich geworden, dass sie in ihrer ursprünglich psychopathologischen Funktion eigentlich verwässert werden. Ob das indirekt schadet, lässt sich mit der Zeit feststellen. Direkt aber schaden kann es auch, und zwar im Coaching! Dazu verhalfen Aspekte psychiatrischer Diagnostik von Dr. med. Volkmar Aderhold, vorgetragen von der Ausbildungsleitung Prof. Dr. Monika Zimmermann sowie ein Gastvortrag von der Dipl. Psychologin Andrea Wurst den Teilnehmenden zu differenzierten Sichtweisen. Eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen ist unverzichtbar für die Begrenzung und Erweiterung bzw. das sich entwickelnde Verständnis des eigenen Coaching-Konzepts. Dem sind die Auszubildenden nun einen wichtigen Schritt nähergekommen. Denn die angehenden Coaches hatten auch die Gelegenheit, sich mit den durch die Ausbildungsleitung vorgestellten Kernaspekten der positiven Psychologie und der Verhaltenstherapie auseinanderzusetzen und auszutauschen. Als hilfreiche Coaching-Methode aus der Sozialen Arbeit wurde die „Netzwerkkarte“ (von Pantucek) vorgestellt und zur eigenen Anwendung und Erprobung an Klient*innen angeleitet.

Abgerundet wurde das Wochenende mit einem keinesfalls zu vernachlässigenden Thema: Datenschutz und Vertragsrecht im Coaching. Des Weiteren machte Prof. Dr. Zimmermann die angehenden Coaches mit den Möglichkeiten der Evaluation im professionellen Coaching vertraut und motivierte sie dazu, sich dieser schwierigen wie notwendigen und dabei ebenso wertvollen Aufgabe zu stellen. 

Durch die in das Modulwochenende integrierten Pausen zur eigenen Reflexion und zum Austausch in kleinen Gruppen sowie im Plenum entstanden wieder viele anregende Diskussionen mit dem ein oder anderen „Aha“-Moment. Wir freuen uns über die deutlich sichtbaren Fortschritte und das stetig wachsende Selbstvertrauen unserer zukünftigen Coaches! 

Tag 1 – Reflexion des eigenen Coaching-Verständnisses

  • Chancen und Grenzen (psychiatrischer) Diagnostik, sozialpädagogische Diagnostik 
  • Methode Netzwerkkarte: Umsetzung als Hausaufgabe (an sich selbst und anderer Person) 
  • Psychodynamisches Businesscoaching (Gastvortrag von Dipl. Psychologin Andrea Wurst), Reflexion bzgl. Gemeinsamkeiten/Unterschiede/Komplementäres zu anderen Ansätzen und Übernahme in eigenes Coaching-Konzept 
  • Coaching evaluieren: ein Muss für Weiterentwicklung, Professionalität und Verständnis von Klient*innen, Fragebogen zur gemeinsamen Verwendung und Auswertung 
Teilnehmende des 5. Moduls der Coaching-Ausbildung mit der Gastreferentin Andrea Wurst am Freitag. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Tag 2 – das Wichtigste rund um Online-Coaching

  • Nachlese und Introspektion 
  • Chancen und Grenzen von Online-Coaching
  • Körperorientierte Methoden im Online-Coaching, was ist wichtig und anders im Online-Raum? (mit Dozentin Lara Felisa Rubbel
  • CAI® World: Vorstellung und Erprobung eines Coaching-Tools (Gastvortrag von Prof. Dr. Elke Berninger-Schäfer)
“Ist virtuell wirklich real?” war eine einleitende Frage am Samstag. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Tag 3 – Gemeinsamkeiten & Unterschiede diverser Ansätze/Schulen

  • Positive Psychologie 
  • Der verhaltenstherapeutische Ansatz 
  • AGB, Datenschutz und Vertragsrecht für Coaches  
  • Austausch, Feedback & (Gruppen-)Reflexion 
Zusammenführung diverser Ansätze für Coaching als interdisziplinären Akt verstehen. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Zu Beginn waren die Teilnehmenden sehr gespannt auf das Online-Format, dem sie sich das ganze Wochenende aussetzen würden. Die Vorfreude und Offenheit auf dieses Setting und die bevorstehenden Vorträge waren groß, aber es wurden auch durchmischt Bedenken hinsichtlich der Technik, dem prinzipiellen virtuellen Format und den damit einhergehenden Anstrengungen geäußert, während andere bereits positive Erfahrungen damit gemacht hatten. 

„Bin zwiegespalten, mag Online-Meetings nicht, hab schon viel Spaß an Live-Begegnungen. Ist daher bei mir eher so ein „hmpf“-Gefühl aktuell. Bin aber gespannt auf die Inhalte und offen.“ 

„Bin gespannt, wie das mit dem dazwischen-Quatschen klappt, habe da eher Bedenken zwecks Ordnung & Struktur. Bin auch eher nicht so überzeugt von NUR Online-Coaching.“

Diagnostik, Deutung, Intervention: Auf dem Weg zu einem guten Diagnostik-Verständnis und Zuversicht in Interaktionen

Gestartet wurde mit kritischen Aspekten psychiatrischer Diagnostik (Dr. med. V. Aderhold, Prof. Dr. M. Zimmermann), die schließlich in ein anderes Diagnostik-Verständnis überleiteten: Ein Coach kann durch seine Zwischenposition zwischen Problem und Klient*in nicht nicht intervenieren, Diagnostik ist dabei immer ein Erkenntnisprozess.

Im positiven Diagnostik-Verständnis der Ausbildungsleitung steht der intervenierende Coach zwischen Coachee und einem Problem. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

“Die / der hat doch bestimmt eine Depression…”

Sich mit Psychiatrie und deren umstrittener Diagnostik auseinanderzusetzen ist für angehende Coaches gerade deshalb von Relevanz, da bei Coaching-Novizen oft eine Tendenz zum vorschnellen Diagnostizieren und zum Stecken in ‚Krankheitsschubladen‘ vorherrscht. 

Probleme der mittlerweile zurecht so bezeichneten Bio-Psychiatrie sind dabei u.a. die Nicht-Validität und zweifelhafte Reliabilität des Klassifikationssystems für medizinische Diagnosen ICD10. Dieses ist für Coaches und Therapeuten weniger ein Quell von Wissen als von Blockaden der Handlungsfähigkeit. Dabei greifen selbst etablierte Coaches nicht selten auf psychopathologisches Diagnostizieren zurück, um sich vermeintlich sicher zu fühlen. Der Preis dafür ist allerdings, dass individuelle Kontexte, Systeme, Situationen und Ursachen unberücksichtigt bleiben. Während der Wunsch nach Vereinfachung auch angesichts der Komplexität von Situationen verständlich ist, sollte die ICD10 höchstens als Inspiration und nicht als Diagnoseinstrument genutzt werden.

Ein Werkzeugkasen zur sinnvollen Diagnostik im Coaching. (Dr. Med. V. Aderhold) © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Was macht also sinnvolle (!) Diagnostik aus? Davon konnten die Auszubildenden somit eine Vorstellung entwickeln. Sie wissen nun, wie ein sinnvoller diagnostischer Prozess gestaltet werden kann:

Was ist ein sinnvoller diagnostischer Prozess? (Dr. med. V. Aderhold) © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Wie kann in Interaktionen auf andere Weise als durch Diagnosen geholfen werden? Wie kann besseres ‚diagnostizieren‘ gelernt werden? Darüber reflektierten die Auszubildenden im Anschluss und teilten ihre Gedanken:

„Dass es solche Störungen gibt, darüber sind wir uns ja einig. Wenn jemand z.B. akute Selbstmordgedanken mit mir teilt, muss ich ja erkennen, wenn ich nicht weiterhelfen kann. Was mach ich dann? Ist es dann nicht ein legitimer Weg zu sagen, man empfiehlt einen Arzt? Bei sowas wie Suizid und Traumata aus der Kindheit, da würde ich als Coach ablehnen.“ 

Prof. Dr. Monika Zimmermann: „Bei einem unguten Gefühl sollte man verweisen, denn dann seid ihr ja auch nicht mehr wirksam. Allerdings möchten wir euch bekräftigen, nicht vorschnell abzugeben, euch ermutigen, vorher genau hinzugucken. Natürlich gibt es Extremfälle, aber selten. Meistens geht viel zu schnell die Schublade der ICD10-Diagnostik auf und dafür sollt ihr sensibilisiert werden.“

Eine wichtige Erkenntnis der Teilnehmenden war dabei, dass manche Formen problematischen Verhaltens, die bei bestimmten Störungen sicher gehäuft auftreten, in bestimmten Ausmaßen durchaus auch für nicht diagnostizierte Menschen zutreffen können. Diagnostizieren geht also schneller als angebracht, daher ist immer Vorsicht geboten.

Als Übung und Vorbereitung auf das nächste Modul sollen sich die Auszubildenden in Anknüpfung an die vierte Supervisionseinheit in Lektüre mit Volkmar Aderhold befassen und ihre persönlichen Interaktionsherausforderungen reflektieren.

Hausaufgabe Soziale Interaktionsphänomene detektieren, beschreiben, reflektieren:  

Übungsaufgabe für das nächste Modul. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

„Also unseren fleischgewordenen Albtraum finden, der im Gespräch stattfindet!“ 

Als eine hilfreiche Methode hierfür wurde die Netzwerkkarte nach P. Pantucek als diagnostisches Instrument und für Interventionen aus der Sozialen Arbeit vorgestellt. Diese ist wie die „Momentaufnahme im Leben eines Menschen“ und dient der Entscheidungsfindung, „wer noch zu mir gehört“. Die Teilnehmenden diskutierten diese Methode durch wichtige Fragen wie die folgende:

„Wenn man vermutet, dass jemand isoliert ist, würde man das dann trotzdem anwenden? Auch mit der Gefahr, dass eine schlechte soziale Vernetzung dabei herauskommt?“ 

„Wie gehe ich damit um, wenn jemand scheinbar vereinsamt, aber die Person sagt, es sei für sie in Ordnung?“ 

Die Netzwerkkarte (P. Pantucek). Eine Methode zur Stabilisierung sozialer Netze. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Psychodynamik im Business-Coaching (A. Wurst) und Inspirationen für das eigene Coaching-Konzept

Im Kern ging es hier um die Bedeutung des Unbewussten auf individueller und auf Organisationsebene und insbesondere darum, welche unbewussten Abwehr- und Schutzmechanismen im Coaching-Kontext eine Rolle spielen können. Mehr zum Vortrag von Andrea Wurst können Sie in unserem demnächst erscheinenden Beitrag lesen. Auch können Sie dort nachlesen, in welchen Aspekten sich die zukünftigen Coaches in ihrem eigenen Coaching-Konzept abgrenzen. Jedenfalls konnten die Teilnehmenden für sich viele spannende Eindrücke gewinnen und sammelten ihre Inspirationen am Ende in einem Feedback für die Vortragende.

Gastvortrag von Dipl. Psychologin Andrea Wurst. Die Gemeinsamkeit zu seinem eigenen Coaching-Verständnis wurde von einem Teilnehmer so ausgedrückt: „Der Eisberg als etwas, das hervorgeholt werden möchte.“ © Andrea Wurst

Besonders beeindruckt waren die angehenden Coaches über die hilfreichen Gedankenkonstrukte und Konzepte wie z.B. das „Containing“, über verschiedene Führungspersönlichkeiten und über den Umstand, dass unbewusste Prozesse auch vom Individuum auf ganze Organisationen übertragen werden können.

„Ich fand den Aspekt des Containing spannend. Sich in Geduld zu üben, zu entscheiden, was geht nach außen.“ 

Was auch widergespiegelt wurde ist die Übertragung auf Teams bzw. auf Organisationsebene, dass sich diese individuellen Strukturen so wiederfinden lassen. Das fand ich total spannend. Auch bei den Beispielen wurde das irgendwie total klar. Auch sich bewusst zu machen, wozu es eben auch führen kann.“

Weitere Inspiration für das eigene Coaching(-Konzept) folgte am Sonntagvormittag, als Prof. Dr. Monika Zimmermann zwei weitere Schulen der Psychologie vorstellte: die Verhaltenstherapie und die positive Psychologie. Dabei wurde auf die Grundprinzipien beider Ansätze eingegangen – die Verhaltenstherapie zielt auf konkrete Verhaltensänderung ab und ist weniger am Unbewussten oder Kognitiven interessiert; die positive Psychologie setzt an den Erklärungsmustern von Menschen an und versucht diese optimistisch zu gestalten.

Anhand der sogenannten ABC-Ketten führte die Ausbildungsleitung das konkrete Vorgehen der positiven Psychologie beispielhaft vor. Das Modell zeigt auf, wie negative Bewertungen von Situationen zu negativen Gefühlen und zuletzt zu verringerter Handlungsfähigkeit führen können. Umgekehrt kann man genau hier auch ansetzen, um optimistische Denkgewohnheiten zu entwickeln und so die eigene Handlungsfähigkeit wieder zu steigern: 

Übung ABC-Ketten (Hier können Sie die Methode selbst ausprobieren). © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Prof. Dr. Monika Zimmermann betonte immer wieder Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Schulen sowie auch weiterer Ansätze, die die Teilnehmenden im Zuge der Ausbildung schon kennengelernt haben, etwa die personzentrierte Beratung, die systemische Therapie oder eben der psychodynamische Ansatz. Sie wies darauf hin, dass sich diese Ansätze an vielen Stellen komplementär ergänzen und nur zusammen ein wirklich holistisches Bild des Menschen und seines Anliegens bieten. 

Der zentrale Fokus lag demnach auf den Implikationen und Inspirationen all dieser Schulen für Coaching bzw. inwiefern ihre jeweiligen Erkenntnisse, Schwerpunkte und Methoden in Teilen auch im Coaching wirksam umgesetzt werden können. Ziel solchen Inputs ist es, dass unsere angehenden Coaches am Ende ihrer interdisziplinären Ausbildung aus einem breiten Sortiment an Disziplinen, Schulen, Ansätzen und Methoden diejenigen auswählen können, die am besten in ihre Konzeption und Praxis von Coaching passen. So sind sie in der Lage interdisziplinär und schulenübergreifend zu agieren, um so für ihre Klienten, aber auch sich selbst gegenüber, authentisch und wirksam zu sein.

Prof. Dr. Monika Zimmermann spricht mit den angehenden Coaches über die Bedeutung von Interdisziplinarität im Coaching. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Wie können Coaches im virtuellen Raum entscheidungsfähig und wirksam coachen?

Prof. Dr. Monika Zimmermann stellte grundlegende Aspekte rund um Chancen und Grenzen von Coaching im Online-Setting vor. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag zum Thema Online-Coaching, mit einem Interview mit der Expertin Prof. Dr. Elke Berninger-Schäfer.

Alle Themen rund um Coaching im virtuellen Kontext. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Die Teilnehmenden kamen mit unterschiedlichen Voreinstellungen in das Thema hinein, wie z.B.: 

„Kann zwar wenig zum Online-Coaching sagen, bin aber fest davon überzeugt, dass wir zukünftig sehr viele Dinge online machen. Auch seit Corona hat das bei mir stark zugenommen. Aber ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass viele mir gesagt haben, das kann man schon ab und zu einwerfen, aber nicht nur. Sehe das hinsichtlich Cyberkriminalität eher skeptisch. Kenne auch einige Leute, die richtig böse werden, wenn da mitgeschnitten wird. Aber prinzipiell find ich es recht interessant, dass man ungebunden arbeiten kann.“ 

Hinsichtlich der angenommenen Unterschiede zwischen realem und virtuellem Coaching teilten die Teilnehmenden sowie auch die Ausbildungsleitung selbst nicht immer alle Punkte:

„Das mit der verminderten Aufmerksamkeit beim Online-Coaching trifft finde ich eher nicht zu. In den Erfahrungen, die ich damit gemacht habe, wäre eine Pause z.B. völlig störend gewesen. Das ist in der Lehre anders. Aber beim Feedback ist es virtuell tatsächlich so, dass man das aktiver einfordern muss, sonst kriegt man nichts zurück. Auch das mit der verringerten Emotionalität kann ich wie Du auch nicht unterschreiben. Denn im professionellen Kontext nimmt man die Leute ja auch nicht einfach so in den Arm. Deshalb habe ich nicht erlebt, dass das ein Problem wäre.“ 

(Eingeschränkte) Wahrnehmung im Coaching. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching 

In ihrem zweistündigen Vortrag fokussierte Lara Rubbel die Bedeutung des Raums im Coaching und beleuchtete dabei einige der Besonderheiten und Unterschiede zwischen Online-Coaching und Coaching in Präsenz. Sie betonte, dass der Raum immer mitwirkt und mit nur wenigen Handgriffen in Coaching-Prozessen sinnvoll genutzt werden kann. Zum Beispiel müssen Gastlichkeit, im Sinne einer gemütlichen und einladenden Atmosphäre, sowie auch Sicherheit gegeben sein. Dies gilt für den virtuellen Raum genauso wie für das reale Setting, wobei die Art und Weise, wie der Coach einen solchen Raum gestalten kann, sich in beiden Situationen teilweise unterscheidet.

Sammlung von Gedanken der Teilnehmenden zum Thema Atmosphäre im Online-Raum. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Was ist eigentlich wichtig in Online-Räumen? Klar, dass die Technik funktioniert. Aber wie können wir eine zum Coachen wirkungsvolle und v.a. positive, sichere, nicht-anonyme Atmosphäre gestalten? Dazu sammelten die Teilnehmenden in Kleingruppen ihre Überlegungen: 

„Für Coaching im Online-Setting ist wichtig, welchen Hintergrund man einblendet und welches Licht. Verschmelze ich z.B. bei Bewegung mit dem Hintergrund auf störende Weise? Man sollte auch transparent machen, dass keiner im Hintergrund alles mitschreibt oder aufnimmt. Zwar sollte es ja erst mal nicht um Technisches gehen, aber wenn man nichts versteht, hilft ja auch der schönste Raum nichts! Dann ist noch wichtig die Positionierung von sich und der Kamera, was sieht man im Hintergrund? Und die Versorgung für die Atmosphäre, dass alles um einen herum vorbereitet ist.“ 

Im Anschluss an all die wertvollen Inputs meinte eine Teilnehmende:

„Mir hat das Thema Raum nochmal einen Denkanstoß gegeben, da ich das eher als selbstverständlich gesehen hatte bisher. Ich habe gemerkt, indirekt war mir alles schon präsent, aber du hast es mir bewusst gemacht.“ 

Zusätzlich leitete Lara Rubbel entsprechend ihrem Hintergrund als Körper- und Bewegungstherapeutin mehrere Übungen an, bei denen das Hineinfühlen in den eigenen Körper im Mittelpunkt stand. Die Teilnehmenden spürten am eigenen Leib, wie wirksam solche körperorientierten Methoden sein können und vor allem, dass diese mit der richtigen Anleitung durch den Coach auch online gut durchzuführen sind. Zudem erklärte Lara Rubbel das Prinzip des „Verraumens“, bei dem Probleme von Klient*innen im Raum dargestellt werden, um so neue Perspektiven zu gewinnen und vor allem auch körperlich in die jeweilige Situation reinzufühlen. Hier überraschte sie die Teilnehmenden ebenso wie die Ausbildungsleitung damit, dass bekannte Methoden, etwa die Tetralemma-Aufstellung, die in einem Online-Setting für schwer umsetzbar gehalten worden waren, auch im virtuellen Raum gut wirken können. 

Die Teilnehmenden in Bewegung mit einer Übung von Lara Felisa Rubbel © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Die angehenden Coaches gewannen durch Lara Rubbels Vortrag also nicht nur neue Erkenntnisse zum Raum als Wirkfaktor und dem Umsetzen von körperorientierten Methoden im Online-Coaching, sondern erfuhren beide Elemente währenddessen am eigenen Leib. So können sie das neue Wissen, dem Prinzip des pädagogischen Doppeldeckers zufolge, direkt handlungsleitend umsetzten. Wie einige von ihnen betonten, halfen diese zwei Stunden aber auch dabei, das Wochenende zu entschleunigen und den Körper nach dem vielen vorm-Bildschirm-Sitzen wieder zu lockern. 

In der darauffolgenden letzten Sitzung zum Gesamtthema Online-Coaching wurde den Auszubildenden nun ein ganz besonderes Tool vorgestellt, auf das alle sehr gespannt waren: Die von Frau Prof. Dr. Berninger-Schäfer entwickelte Coaching-Plattform CAI® World, ein DSGVO-konformes Video-Konferenzsystem kombiniert mit audiovisuellen Gruppeninteraktionen und reichhaltig implementierten Coaching-Methoden in Echtzeit uvm.

„Alles in einem Tool zu integrieren ist für mich neu, und da bin ich sehr gespannt.“ 

Ausschnitt eines virtuellen Coaching-Tools der CAI® World von der Expertin für Online-Coaching Prof. Dr. E. Berninger-Schäfer. Sammlung von Wünschen und Anregungen der Teilnehmenden für die Sitzung. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching 

Zunächst stellte Frau Prof. Dr. Berninger-Schäfer ihre Expertise zum Thema Online-Coaching zur Verfügung, damit die Teilnehmenden z.B. einen Überblick über die aktuelle Begriffsvielfalt erhielten:

Begriffssvielfalt im Online-Coaching. Ausschnitt aus der virtuellen, umfangreichen Plattform CAI® World von der Expertin für Online-Coaching Prof. Dr. E. Berninger-Schäfer. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching 

Außerdem wurde mit einigen Mythen (und Fakten) rund um Online-Coaching aufgeräumt:

Mythen und Fakten im Online-Coaching. Ausschnitt aus der virtuellen, umfangreichen Plattform CAI® World von der Expertin für Online-Coaching Prof. Dr. E. Berninger-Schäfer.
© Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Den Teilnehmenden wurde sehr schnell klar, was sie sich konkret unter wirkungsvollem, professionellen Online-Coaching der Zukunft vorstellen konnten: Nicht nur, dass sich in der CAI® World die Gruppenmitglieder auf für alle sichtbaren Arbeitsflächen durch Text- und z.T. animierte Grafik-Elemente austauschen können. Auch gibt es die besondere Möglichkeit, alles in einem Sitzungsraum Dokumentierte zu speichern und wieder zu besuchen, sofern gewünscht. Das außergewöhnliche an dieser Software für Coaches ist die komplette Abdeckung von beinahe allem, was man sich für wirksames Online-Coaching nur wünschen kann. Dazu kommt noch ein weiterer Faktor, den manche Klient*innen womöglich nicht mit dem hohen Aufwand der Arbeit mit sich selbst assoziieren würden: Spaß.

Die Teilnehmenden in Aktion bei der gemeinsamen Erstellung eines “Problembildes”. Ausschnitt eines virtuellen Coaching-Tools der CAI® World von der Expertin für Online-Coaching Prof. Dr. E. Berninger-Schäfer. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching 

Frau Prof. Dr. Berninger-Schäfer demonstrierte den Teilnehmenden, wie genau eine typische Coaching-Sitzung auf ihrer Plattform ablaufen kann. Interessant waren dabei die beachteten Aufeinanderfolgen von assoziativen, problem- und zielorientierten Arbeitsphasen. Die angehenden Coaches konnten selbst ausprobieren, dass beispielsweise die Reflexion von Zielen erst im Anschluss an Tools zur assoziativen Arbeit sinnvoll ist: 

Prof. Dr. Berninger-Schäfer: “Nie Ziele aus einem Problemzustand heraus angehen! Das wären nur kognitive Ziele. Es soll ja nachher etwas auf der Verhaltensebene passieren. Dafür müssen die Ziele emotional verankert sein, dahin kommt man nicht nur über die Reflexion. (…) Erst über Ziele sprechen, wenn eine positive Stimmung erreicht wurde.“ 

Es zeigte sich, dass die in der CAI-Plattform implementierten Coaching-Methoden, etwa die Methode zur systemischen Aufstellung, besonders gut durch die grafischen, animierten und interaktionellen Elemente durchgeführt werden konnten. Die Aufstellung eines Ist-Zustandes durch eine*n Klient*in erfolgt somit in direkter Interaktion mit der virtuellen Arbeitsfläche und für alle sichtbar.

Die Teilnehmenden in Aktion beim gemeinsamen Ausprobieren einer weiteren implementierten Methode. Ausschnitt aus der virtuellen Plattform CAI® World von der Expertin für Online-Coaching Prof. Dr. E. Berninger-Schäfer. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching 

Aber abgesehen davon, dass die Teilnehmenden die einmalige Gelegenheit bekamen, mit dieser besonderen Software “herumzuspielen”, wurde auch über die Herausforderungen gesprochen, die mit Online-Coaching einhergehen. Eine davon ist etwa die wissenschaftlich belegte erhöhte Selbstoffenbarungstendenz. Die Teilnehmenden wurden von Prof. Dr. Berninger-Schäfer gefragt, wie sie in einem Coaching mit einer überraschend auftretenden Selbstoffenbarung umgehen würden (Phänomen „talking to a stranger“):

„Vielleicht darauf verweisen, ob dieses Problem mit dem Problem des ursprünglichen Auftrags zusammenhängt?“ 

„Auftragsklärung? Herausfinden, ob man darauf eingehen soll? Vielleicht wäre das ja sogar dringlicher. Daher vielleicht fragen, ob man da dran bleiben soll?“ 

Prof. Dr. Berninger-Schäfer: „Ganz genau, ist sehr wahrscheinlich, dass es miteinander zutun hat, ist nicht mein Auftrag, kann es aber auch nicht übergehen. Muss es versorgen. Ist eine wichtige Information, muss abklären, ob es mein Thema ist: Welches Thema steht im Vordergrund?“ 

Darüber hinaus hatten die Coacing-Novizen aber auch einige technische Fragen, die schließlich für die Handlungsfähigkeit und Medienkompetenz von hoher Relevanz sind, z.B.: 

„Wenn die Lizenz ausläuft, kann ich die Daten downloaden?“ 

Prof. Dr. Berninger-Schäfer: „Du kannst Dir immer ein PDF machen, empfehle ich auch, denn wenn die Lizenz erlischt, wird aus Datenschutzgründen alles gelöscht.“ 

Das Fazit zur Sitzung fiel am Ende insgesamt sehr positiv aus:

„Da muss ich ja glatt meine Einstellung zum Online-Coaching überdenken, unfassbar!“ 

„Das Tool ist mega spannend, bin echt beeindruckt. Vieles am Markt ist Schrott und überteuert.“ 

„Für die Lehre wäre das ja auch gut! Nicht alles braucht man, aber manches wäre super nützlich.“ 

Jura für Coaches: nicht nur wichtig, sondern auch kurzweilig

Den Abschluss des Moduls bildete das relevante, wenn auch auf den ersten Blick trocken anmutende Thema Recht und Datenschutz im Coaching. Von Aspekten, die für jeden Coach – ob selbstständig oder angestellt – nicht zu vernachlässigen sind, wie etwa der Umgang mit Daten und das Erstellen von rechtskräftigen Verträgen bis hin zu Fragen, die für selbstständige Coaches wichtig sind, z.B. zur freiberuflichen Tätigkeit und Unternehmensgründung, wurde hier ein großes Themengebiet kompakt vermittelt. 

Passend zum globalen Thema des Wochenendes, Online-Coaching, und anschließend an die vorherigen Vorträge, wurden Datenschutz und die DSGVO im Detail besprochen. Unter anderem interessierte die Teilnehmenden, welche Daten sie überhaupt erheben dürfen und wie sie damit rechtmäßig umzugehen haben, speziell auch wenn mit Online-Tools gearbeitet wird.  

Auch im Gespräch über Datenschutz sind die Teilnehmenden mit guter Laune und Lachen dabei.
© Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching 

Auch bei diesen Themen waren die Teilnehmenden mit Interesse, Rückfragen und Wille zur Diskussion dabei, so dass es nicht nur ein informativer, sondern auch höchst lebhafter Nachmittag wurde. Durch diesen Input sowie Vorlagen und Lesematerial zum Nachschlagen werden unsere angehenden Coaches mit mehr (rechtlicher) Sicherheit in ihre Coaching-Praxis entlassen. 

Das fünfte Modul komplett im virtuellen Setting war ein voller Erfolg. © Prof. Dr. Monika Zimmermann, Zentrum für interdisziplinäres Coaching

Hinter den angehenden Coaches liegt ein abwechslungsreiches Wochenende, vollgepackt mit neuen Inputs. Bis zum nächsten Modul im März haben sie nun ein wenig Zeit, das alles zu verarbeiten und ausgewählte Aspekte zu verinnerlichen. Unterstützt werden sie dabei natürlich jederzeit von dem Dozierenden-Team, unter anderem während der zwei Supervisionseinheiten, die in der Zwischenzeit anstehen. 

Um die Qualität der Coaching-Ausbildung ständig zu gewährleisten und verbessern zu können, bitten wir die Teilnehmenden am Ende jedes Moduls um eine Evaluation. Über Feedback wie dieses freuen wir uns ganz besonders: 

„Wow danke für die Zeit und das extreme Engagement, das ihr in diese Ausbildung für uns steckt. In die Vorbereitung, die Durchführung und in die Nachbereitung. Danke für eure Leidenschaft und die Hingabe mit der ihr uns zu Coaches macht. Danke an all die tollen Menschen, die wir über dich kennenlernen dürfen und durch die wir unseren Horizont und unsere Erfahrungswelt erweitern dürfen. Danke an Lucille und Melina für die hervorragende Dokumentation und Protokollierung unserer Module, Supervisonen und alles, was ihr noch so im Hintergrund macht. Liebe Moni, richte deinem ganzen Team einfach mal ein fettes DANKESCHÖN aus. Und selbstverständlich auch ein großes DANKESCHÖN an dich liebe Moni.“ 

Lesen Sie hier mehr zu den bisherigen Modulen und Supervisionen dieser Coaching-Ausbildung.


Ihr Interesse an unserer Coaching-Ausbildung ist geweckt? Sie planen, sich als Coach zu professionalisieren? 

Dann erfahren Sie hier mehr zu unserem Ausbildungsangebot. Oder melden Sie sich direkt für einen unserer kostenlosen Info-Abende zur systemisch-interdisziplinären DBVC-zertifizierten Coaching-Ausbildung mit Start im Juni 2023 an. Hier können Sie mich, das Zentrum sowie Inhalte und didaktisches Konzept der Ausbildung besser kennenlernen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, all Ihre Fragen direkt an mich, die Ausbildungsleitung, zu richten. Termine und Anmeldeformular finden Sie hier. 
  
Ich freue mich auf Sie und unseren Austausch! 

1 Kommentar zu „Lernen, Erleben & Wirken im virtuellen Raum: Modul 5 der Coaching-Ausbildung zeigt die Möglichkeiten von Online-Coaching und virtueller Lehre“

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